Der Zwang zu Handyallianzen

1. Dezember 2004, 10:09
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Die neue Handygeneration UMTS bringt kleine Netzbetreiber unter Zugzwang

Die neue Handygeneration UMTS bringt kleine Netzbetreiber unter Zugzwang: Die neuen Geräte wie auch die Anwendungen müssen "maßgefertigt" werden. Und das lohnt sich nur bei sehr hohen Stückzahlen. Die internationale Partnerbörse ist bereits eröffnet.

Wenig Aufwand

Wenn Handynetzbetreiber bisher Geräte für ihre Kunden orderten, hatten die Hersteller wenig Aufwand: Das gleiche Modell für ganz Europa, und die Betreiber mussten vielleicht gerade einmal die Serveradressen für MMS-Dienste eintragen, ein paar Adaptierungen vornehmen, fertig.

Schluss

Die neue Handygeneration UMTS macht damit Schluss. Kompliziertere Anwendungen wie Navigation, Videotelefonie, Videostreaming, Musikdownloads samt dem Copyright-Management erfordern eine speziell auf den Betreiber zugeschnittene Software, die von einem anderen Betreiber verwendet werden kann. "Die Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber ist unvergleichlich wichtiger geworden, wir müssen für jeden einzelnen alles neu entwickeln", sagte der Entwicklungschef des koreanischen UMTS-Weltmarktführers LG. Die damit verbundenen hohen Kosten würden sich nur bei hohen Stückzahlen rechnen. Kleinere Betreiber wären damit in Zukunft gezwungen, Allianzen ähnlich der Airlinebranche einzugehen, meinte dazu LG-Vizepräsident Kenn Suh.

2,5 Prozent

LG besaß 2001 einen Marktanteil am gesamten Handysektor von 2,5 Prozent und lag damit an zehnter Stelle, 2003 lag der Marktanteil bei 5,3 Prozent (weltweit fünfter Platz, an erster Stelle lag Nokia, gefolgt von Motorola, Samsung und Siemens). Bei den UMTS-Geräten hat LG einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent.

In Österreich hat LG - bisher ausschließlich von "3" vertrieben - einen Marktanteil von fünf Prozent, dieser soll 2005 auf zehn Prozent oder rund 300.000 Geräte steigen.

Unter einer Haube

Die heimischen Netzbetreiber sind mehrheitlich bereits "unter der Haube": Marktführer A1 ist in Kooperation mit der britischen Vodafone, T-Mobile ist die Tochter des deutschen Riesen T-Mobile, und "3" gehört zur Hutchison- Gruppe, die auch in Großbritannien, Italien, Schweden, Dänemark, Israel, Australien und Hongkong tätig ist. One und Telering haben sich noch nicht eindeutig "entschieden".

Die LG-Manager teilen ihre Betreiber in drei Gruppen auf: in Vodafone, mit 140 Millionen Kunden eine Macht für sich. Dann in große Unternehmen wie T-Mobile, Hutchison und Telefonica, die allein genug Kunden besitzen, um die kritische Größe für eigene Entwicklungen zu erreichen. Und dann alle kleineren Betreiber, die "dringend Allianzen bilden müssen."

Kostenfaktoren

Neben den Entwicklungskosten sind es natürlich auch die reinen Gerätekosten, die bei großen Stückzahlen rasch sinken: Hutchison etwa bestellte bei LG heuer drei Millionen Handys, 2005 werden es mehr als sechs Millionen sein. "Die Rabatte, die man bei solchen Ordern bekommt, sind in der Größenordnung, in der kleine Betreiber die Handys stützen müssen", sagte ein LG-Manager.

Bei den Geräten selbst gehe der Trend eindeutig Richtung größere Modelle mit zusätzlichen Features: "Warum sollte man nicht ein Handy bald auch wie einen i-Pod (Apples MP3-Player, Anm.) verwenden können", meint LG. Und bereits im kommenden Frühling soll das erste Handy mit Fünf-Megapixel-Kamera ausgeliefert werden, zu einem Preis von deutlich unter 400 Dollar.

Konservativ

In Europa sei man derzeit noch konservativer, setze auf kleinere Geräte und noch immer hauptsächlich auf Sprachtelefonie. "Aber das gibt sich bald", meint LG-Telekom-Chef Mun-Hwa Park. "Auch wir waren einmal so." (Michael Moravec aus Seoul, DER STANDARD, Printausgabe, 25. November 2004)

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LG

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