Rüstungsschmiede Rheinmetall steht zum Verkauf

1. Dezember 2004, 14:23
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Mehrheitsaktionär Röchling zieht sich zurück - Aktien sollen breit platziert werden

Düsseldorf - Einer der führenden deutschen Rüstungskonzerne, der Panzer-, Kanonen- und Munitionshersteller Rheinmetall, steht zum Verkauf. Die Unternehmerfamilie Röchling teilte am Mittwoch mit, sie werde ihre Mehrheitsbeteiligung an der Waffenschmiede innerhalb der nächsten drei Tage abgeben. Geplant sei eine breite Platzierung der Aktien durch die Investmentbank Goldman Sachs.

Über einen Ausstieg der Unternehmerfamilie bei dem Rüstungs- und Automobilzulieferkonzern, der unter anderem am Bau des Kampfpanzers Leopard 2 und der Entwicklung des neuen Schützenpanzers Puma beteiligt ist, war seit Monaten spekuliert worden. Die Unternehmerfamilie hält bisher 73,7 Prozent der mit Stimmrecht versehenen Stammaktien und 10,48 Prozent der stimmrechtslosen Vorzugsaktien.

Angelsächsisches Interesse

Vor allem angelsächsischen Finanzinvestoren wird ein Interesse an dem Wehrtechnik- und Autozulieferkonzern nachgesagt. Allerdings könnte der Einstieg eines ausländischen Investors zu einem Politikum werden. Denn der Erwerb von mehr als 25 Prozent des Rüstungsunternehmens durch ausländische Unternehmen kann nach der jüngsten Novelle des Außenwirtschaftsgesetzes von der Bundesregierung untersagt werden, wenn dadurch "wesentliche Sicherheitsinteressen" der Bundesrepublik gefährdet würden. Mit dem Gesetz soll nicht zuletzt der Abfluss rüstungstechnischen Know-hows ins Ausland verhindert werden.

Röchling betonte deshalb auch ausdrücklich, die Aktien sollten im Rahmen eines durch die Investmentbank Goldman Sachs durchgeführten, beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens institutionellen Anlegern zum Kauf angeboten und breit platziert werden. Die Transaktion solle innerhalb von maximal drei Handelstagen erfolgen, teilte die Röchling Industrie Verwaltung GmbH in Mannheim mit. Ziel sei es, das im MDAX notierte Unternehmen auf eine stärkere und wesentlich breitere Aktionärsbasis zu stellen. Damit solle die strategische Handlungsfreiheit des Unternehmens verbessert werden.

Aktie stürzt ab

An der Börse verlor die Rheinmetall-Stammaktie nach der Ankündigung der Verkaufspläne um mehr als neun Prozent, die stimmrechtslose Vorzugsaktie um fast vier Prozent an Wert. Das bessere Abschneiden der stimmrechtslosen Papiere dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt nach Bekanntwerden der Verkaufspläne eine Umwandlung der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien in stimmberechtigte und bisher höher gehandelte Stammaktien befürwortete.

Eberhardt begrüßte die Verkaufspläne des langjährigen Großaktionärs. Dies werde sich positiv auf die weitere strategische Entwicklung des Unternehmens auswirken. "Wir sind nach Abschluss unserer Restrukturierung mit deutlich verbesserter Profitabilität hervorragend aufgestellt", sagte der Manager.

Bestens positioniert

Das Unternehmen werde seine beiden Unternehmensbereiche Verteidigung und Automobilzulieferung weiter entwickeln und sehe sich auch für die anstehende Konsolidierung der heerestechnischen Industrie bestens positioniert, sagte der Manager. In einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" hatte er bereits gesagt: "Rheinmetall will aus der Pole-Position heraus in Europa eine federführende Rolle spielen."

Die Familie Röchling selbst werde sich künftig auf den Ausbau ihres industriellen Kernbereichs Kunststofftechnik konzentrieren, hieß es in Mannheim.(APA/AP)

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