"Lesefit" wirkte nicht

2. Dezember 2004, 14:25
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Die Aktion "Lesefit" des Bildungsministeriums sollte 2002 die Zahl leseschwacher Schüler halbieren - offenbar ohne großen Erfolg

Zwei Monate nach Präsentation der Ergebnisse der ersten PISA-Studie 2001, im Jänner 2002, kündigte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) eine Initiative zur Förderung der Leseleistung an.

Denn bei aller grundsätzlicher Zufriedenheit mit den Ergebnissen der Studie dürfe nicht übersehen werden, dass vier Prozent der 15- bis 16-jährigen Schüler fast nicht lesen können und elf Prozent damit Probleme hätten, begründete sie ihren Vorstoß, der in der Initiative "Lesefit" mündete. Deren erklärtes Ziel war es, innerhalb von fünf Jahren die Zahl der leseschwachen Schüler zu halbieren.

Unter dem Titel "Lesefit - Lesen können heißt lernen können" erhielten beispielsweise alle Volksschulen zur Früherkennung von Leseschwächen Lesetests für die 3. Klasse. Sollten dabei Defizite festgestellt werden, müssten diese im Rahmen der - vorhandenen - Förderstunden korrigiert werden, lautete die Anweisung des Ministeriums.

Zusätzlich wurden zur Steigerung der Lesekompetenz Fördermaterialien für Lehrer erarbeitet und Lesedidaktik-Seminare im Rahmen der Lehrerfortbildung angeboten. Weil die PISA-Studie auch gezeigt hatte, dass 40 Prozent der Schüler nicht zum Vergnügen lesen, führte das Ministerium gemeinsam mit dem Buchklub der Jugend verschiedene Projekte zur Leseförderung durch, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Einbindung der Eltern gelegt wurde.

Offensichtlich hat diese Initiative noch nicht gegriffen: Laut vorab veröffentlichten Ergebnissen der PISA-Studie 2003 ist Österreich bei der Lese-Kompetenz von Platz zehn auf Platz 19 abgestürzt. Sieht man sich eine Detail-Untersuchung von PISA-2001 an, verwundert dieses Ergebnis nicht, denn die österreichischen Jugendlichen sind keine begeisterten Leser.

Als eines ihrer Lieblingshobbies bezeichneten nur rund 17 Prozent der Burschen, aber immerhin rund 43 Prozent der Mädchen das Lesen. 27 Prozent der befragten österreichischen Schüler hielten Lesen für eine "Zeitverschwendung" (OECD-Schnitt: 21 Prozent), mehr als die Hälfte gab an, nur zu lesen, um benötigte Informationen zu erhalten (OECD-Schnitt: 45 Prozent). (apa)

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