Licht ins Strompreisdunkel

3. Dezember 2004, 15:34
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Energieregulator Walter Boltz drängt auf Transparenz an den Strombörsen

Semmering - Stromregulator Walter Boltz sind nicht nur die im EU-Vergleich hohen Netztarife der heimischen E-Wirtschaft ein Dorn im Auge, sondern auch die an Strombörsen wie der in Leipzig (EEX) ermittelten Preise. Diese seit Juni 2003 signifikant gestiegenen Referenzpreise beziehungsweise deren Zustandekommen würden dringend Transparenz vertragen, sagte Boltz am Dienstag bei der Jahrestagung des Verbands der öffentlichen Wirtschaft.

Denn es sei ein Leichtes für Unternehmen mit großer Marktmacht, diese zu manipulieren. Laut Boltz gibt es viele Tage, an denen die Preise mangels Volumen nicht durch tatsächliche Geschäfte zustande kämen, sondern einem Rundruf bei Großhändlern.

Prächtig Geld verdienen ließe sich auch mit Insiderinformationen, weil an den Strombörsen keine Ad-hoc-Meldepflicht bestehe. Wer also früh weiß, wann aufgrund einer Kraftwerkswartung ein Angebotsengpass entsteht, könne an Spot-, Futures- und anderen Terminbörsen kräftig spekulieren.

Hinterfragen will Boltz auch die Preisbildung selbst: "Muss es zwangsweise so sein, dass die teuerste Kilowattstunde den Preis bestimmt?" Davon profitierten die Anbieter billigen Atomstroms. Fairer könnte ja auch ein Mittelwert sein.

Ad-hoc-Meldung nötig

Die E-Regulatoren wollen nun die EU-Kommission davon überzeugen, dass die Preisbildung Transparenz braucht. Denn diese Preise bilden zwar nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes ab, gelten aber in ganz Europa. Eine Ad-hoc-Meldepflicht für preisrelevante Ereignisse, wie sie an den Aktienbörsen bestehe, sei daher ein Gebot der Stunde. Sonst käme es nie zu einem funktionierenden Wettbewerb in Europa, ist Boltz überzeugt.

Bis ein EU-Regelwerk geschaffen ist, wird einige Zeit vergehen. In der Zwischenzeit brütet die E-Control an der dritten Runde zur Senkung der hohen Netztarife der heimischen Versorger. Denn bei den Netztarifen, die rund ein Drittel der Stromrechnung ausmachen (Rest: Energiepreis, Steuern), liegt Österreich über dem EU-Durchschnitt.

In zwei Runden wurden die Tarife bisher um insgesamt 260 Mio. Euro gesenkt. Wienstrom, Bewag, Linz AG, EVN und Energie AG Oberösterreich sind im Jänner 2005 dran, die anderen im März. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2004)

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