"Europäisches China"

13. Dezember 2004, 21:03
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Hohes Wachstum, aber verbreitete Armut

Sollte der offizielle Wahlsieger Viktor Janukowitsch die Massenaufmärsche der Opposition überstehen, so muss er mit den Folgen seiner Wahlgeschenke fertig werden: neben Lohnerhöhungen eine Fastverdoppelung der Pensionen ab September für die rund elf Millionen Pensionisten im 49-Millionen-Einwohner-Staat. Das hat die Inflation gehörig angetrieben, für heuer sind zwölf Prozent prognostiziert.

Im Übrigen hat Europas flächengrößter Staat zu einer Aufholjagd angesetzt und sich beim Wirtschaftswachstum an die Spitze der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) gesetzt. Für heuer wird ein Plus von rund zwölf Prozent veranschlagt (2003: 9,4 Prozent). Das starke Wirtschaftswachstum und die gleichzeitige Armut weiter Bevölkerungskreise brachten der Ukraine allerdings das zweifelhafte Prädikat eines "europäischen China" ein: Die Früchte des Wachstums haben noch lange nicht alle Schichten erreicht.

Trotz des hohen Wachstums hat sich laut jüngstem Bericht der Weltbank das wirtschaftliche Klima in den letzten zwei Jahren nicht verbessert. Niedrige Einkommen, hohe Eigentümerkonzentrationen, labile Rechtslage, große soziale Ungleichheit und fehlende Vorsorge, überbordende Bürokratie und großflächige Korruption kennzeichnen die Lage. Große Schattenprivatisierungen profitabler Industriebetriebe, um die Freunde des Präsidentenlagers zu bedenken, hatten gerade vor der Wahl Hochkonjunktur.

Unter den ausländischen Investoren liegt Österreich auf Platz neun. Die österreichische Handelsbilanz war im ersten Halbjahr bei 181 Mio. Euro Export und 176 Mio. Euro Import knapp positiv. (sed/DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2004)

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