Bauwirtschaft torpediert Hubers Pläne

1. Dezember 2004, 20:08
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Die Ankündigung des Bahn-Chefs, eine eigenen Baufirma gründen zu wollen, stößt auf Kritik: Die Branche befürchtet eine grobe Verzerrung des Wettbewerbs

Wien – "Wenn alle Baufirmen unter denselben Bedingungen arbeiten, ist es mir wurscht, ob ich einen Konkurrenten mehr oder weniger habe. Allerdings ist zu befürchten, dass eine ÖBB-eigene Baufirma den Wettbewerb verzerren würde, und das ist nicht akzeptabel." So reagierte Horst Pöchhacker, Porr-Chef und Präsident der Bauindustrie, auf die Ankündigung von Bahn-Chef Martin Huber, mit rund 4000 ÖBB-Mitarbeitern eine eigene Baufirma gründen zu wollen. Pöchhacker war bis Ende Oktober Hubers Vorgesetzer.

Huber kündigte wie berichtet Montag an, dass die ÖBB schon Mitte 2004 zur Linderung ihres Personalüberhangs eine neue Baugesellschaft mit über 4000 Mitarbeitern gründen könnte, um vor allem um öffentliche Bauaufträge zu werben. Pöchhacker zum STANDARD: "Im Unterschied zu anderen Branchen findet am Bau ein echter Wettbewerb statt, es gibt europaweit viele Anbieter, da kommt es auf einen mehr oder weniger nicht an. Vorausgesetzt, alle haben die gleichen Bedingungen."

"Wettbewerb mit ungleichen Mitteln"

Das wird aber sowohl vom Fachverbandsvorsteher der Bauindustrie, Hans Peter Haselsteiner, als auch vom Bundesinnungsmeister des Baugewerbes, Johannes Lahofer, bezweifelt. Sie kritisieren, dass ein mit Steuergeldern subventioniertes Unternehmen wie die Bahn, das nicht nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen kalkulieren müsse, nicht nur immer mehr in Eigenregie erledige, sondern nun auch am öffentlichen Markt mit regulären Baufirmen in Konkurrenz treten wolle. Dieser Wettbewerb finde mit ungleichen Mitteln statt: So unterlägen die ÖBB weder dem Bau-Kollektivvertrag noch der Bauarbeiter-Urlaubs- und -Abfertigungskasse. Bei der Anmietung von Spezialgeräten könne auf die preisgünstigen ÖBB-Rahmenbedingungen zurückgegriffen werden. Die Transportkosten auf den ÖBB-Strecken blieben unberücksichtigt, und Overheadkosten flössen nicht vollständig in die Kalkulation ein.

Zur Versorgung des überdimensionierten Personalapparates der ÖBB eine Baufirma zu gründen und damit mit reell kalkulierenden Unternehmen in einen ungleichen Wettbewerb zu treten sei "ein Schritt in die falsche Richtung", sind sich sowohl Baugewerbe als auch Bauindustrie einig. Stattdessen sollte die Bundesbahn ihr Kerngeschäft, die Personen- und Güterbeförderung, optimieren und die schleppende Bahnhofsoffensive vorantreiben. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2004)

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