Krebsmittel aus Meeresschwämmen

1. Dezember 2004, 13:46
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Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemische Ökologie entdeckten in Meeres­schwämmen antikarzino­gene Abwehrstoffe

München - Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemische Ökologie und des Instituts für Molekulare Biotechnologie haben in Meeresschwämmen chemische Abwehrstoffe entdeckt, die sich als Krebsmedikamente der Zukunft eignen könnten. Bisher scheiterte das Vorhaben an der geringen Menge an Wirkstoffen. Den deutschen Forschern ist aber gelungen, auch in den Bakterien, die in Symbiose mit den Schwämmen leben, die Wirkstoffe zu finden, berichtet die Max-Planck-Gesellschaft.

Chemische Abwehrstoffe gegen Feinde

Sesshafte Meeresschwämme setzen, ähnlich wie Pflanzen, chemische Abwehrstoffe zur Verteidigung gegen ihre Feinde ein. Diese Substanzen besitzen nicht selten nützliche und therapeutische Eigenschaften und gelten daher als wichtige Kandidaten für zukünftige Arzneimittel. Eine Entwicklung bis zur Produktreife ist aufgrund der geringen Mengen, die aus den Schwämmen gewonnen werden können, noch immer ein großes Problem. Den Forschern um den Chemiker Jörn Piel ist es nun gelungen, die marinen Wirkstoffe namens Onnamide auch bei symbiotisch lebenden Bakterien des Steinschwammes Theonella swinhoei zu finden. Die mit dieser Untersuchung einhergehende Klonierung der dazugehörigen bakteriellen Gene ermöglicht in Zukunft die Herstellung der bioaktiven Polyketide im Großmaßstab, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS.

Chemische Abwehrstoffe entdeckt

In den Bakterien konnten die Wissenschaftler die chemischen Abwehrstoffe Onnamid A und Theopederine entdecken. Onnamide gehören zur Stoffgruppe der Polyketide, eine in marinen Wirbellosen wie etwa Schwämme und Manteltiere besonders häufige und sonst nur aus Mikroorganismen und Pflanzen bekannte Wirkstoffklasse. Sowohl die Onnamide als auch die Theopederine sind stark zytotoxisch und kommen als zukünftige Anti-Tumor-Wirkstoffe in Frage.

Dafür sind allerdings größere Mengen der Stoffe erforderlich. Eine Zucht der Lebewesen ist bisher nur sehr beschränkt gelungen. Piels Team ist es auch gelungen, einen Weg zu finden, die Wirkstoffe für weitere Untersuchungen aufzubereiten, indem sie aus den nicht kultivierbaren Bakterien diejenigen Gene, welche die Erbinformation für den Stoffwechselweg der Onnamide tragen, klonierten. (pte)

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