Schmerzen lassen Gehirn schrumpfen

1. Dezember 2004, 13:46
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Experten befürchten Irreversibilität des Phänomens

Evanston, Illinois - Chronische Schmerzen führen zu einer dauerhaften Schrumpfung des Gehirns, glauben US-Forscher. Ein Team von der Northwestern Universität hat nachgewiesen, dass Patienten mit Rückenschmerzen eine verminderte Aktivität in einer bestimmten Gehirnregion, dem Thalamus, aufwiesen. Diese Region ist wichtig für Entscheidungsfindung und Sozialverhalten. Die Forscher vermuten, dass die Veränderungen irreversibel sind und Schmerzbehandlung unwirksam machen.

Wird diese These verifiziert, würde das bedeuten, dass es wichtig ist, Schmerzen frühzeitig zu behandeln, um dauerhafte Veränderungen zu vermeiden. Die Wissenschaftler untersuchten die Gehirne von 26 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und 26 gesunden Personen. Das Gehirn der Patienten mit den Rückenschmerzen, die von einer Schädigung des Nervensystems verursacht wurden, war um elf Prozent geschrumpft, eine äquivalente Menge zu der grauen Substanz (Hirnoberflächengewebe), die in zehn bis zwanzig Jahren normaler Alterung verloren geht.

Der Rückgang des Gehirnvolumens stand in Zusammenhang mit der Dauer der Schmerzen. Jedes Jahr mit Schmerzen schien die graue Substanz um 1,3 Kubikzentimeter zu dezimieren. Nun wollen die Forscher herausfinden, ob der Verlust dauerhaft ist oder mit einer speziellen Behandlung rückgängig gemacht werden kann. Laut Vania Apkarian, der an der aktuellen Studie beteiligt war, deutet das Absterben der Nervenzellen des Rückenmarks darauf hin, dass die Gehirnveränderungen irreversibel sind. (Ende)

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