Beginn einer neuen Springer-Ära

7. Dezember 2004, 12:52
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Gewichts­regel für Innauer "epochaler Einschnitt" - Zwei bis vier WM-Medaillen als Vorgabe für Springer und Kombinierer

Wien - Eine Waage im Schanzen-Auslauf wird zum gewohnten Bild, wenn nach der revolutionären Reglement-Änderung in Sachen Gewicht für Skispringer und Kombinierer von Freitag bis Sonntag in Kuusamo die WM-Saison 2004/05 beginnt. Vor allem für die Truppe von Neo-ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner ist ihr Sport durch die Schaffung von Gewichtsgrenzen nach unten berechenbarer geworden, glaubt auch der Nordische Direktor, Toni Innauer. Für den Saisonhöhepunkt beider Sparten erhofft sich der Vorarlberger jeweils "ein bis zwei Medaillen".

"Es ist ähnlich wie im Autorennsport. Das Auto darf mit dem Piloten ein gewisses Gewicht nicht unterschreiten. Und das gibt es jetzt auch bei uns", freut sich Innauer im Gespräch mit der APA über die Einführung des "Body-Mass-Index" (BMI) zum Beurteilen vorgegebener Untergrenzen, die er mit voran getrieben hat. "Es ist ein epochaler Einschnitt. Es herrscht im Springer-Ski-System nun eine Chancengleichheit." Bei den Österreichern und den Topleuten habe sich nicht allzuviel verändert, nur hat man nun eben einen Grenzwert, an dem man sich orientieren kann.

Bei der Abwaage, die sowohl nach dem Qualifikationssprung als auch nach dem ersten Wertungsdurchgang durchgeführt werden soll, darf der Springer in Springeranzug und mit Schuhen den BMI von 20 nicht unterschreiten. Bei jedem halben Punkt darunter (19,5) wird die maximal zulässige Skilänge (146 Prozent der Körpergröße) um zwei Prozent gekürzt. Bei den Österreichern musste keiner Gewicht machen, um über den Wert zu kommen. Allerdings weiß man nun genau, wo die Grenze liegt. "Es macht unseren Sport berechenbarer. Die Anlauflängen werden etwas besser zu bestimmen sein und auch der Einfluss von Wind ist etwas weniger groß", so Innauer.

Gefordert sind komplette Athleten, die eben nicht nur Leichtgewichte, sondern auch kräftig im Absprung sind. Für die neue Saison sieht Innauer mit Adam Malysz, Janne Ahonen und Roar Ljökelsöy die üblichen "Verdächtigen" in Front. Und die ÖSV-Springer, die die neue Saison erstmals mit Pointner als Cheftrainer angehen werden? "Unser Ziel muss es sein, uns mit guter Arbeit an die absolute Spitze heranzupirschen", so Innauer.

Er setzt dabei auf die Routiniers Martin Höllwarth und auch wieder Andi Widhölzl sowie auf den "Rohdiamanten" (Innauer) Thomas Morgenstern, dem er aber noch nicht zu viel Druck auferlegen möchte. "Er hat aber alles, was dazugehört zu einem Top-Mann", setzt er vor allem für die nächsten Jahre große Hoffnungen in den 18-jährigen Kärntner.

Was er sich sonst noch wünscht? "Natürlich möchten wir bei der WM eine Einzelmedaille gewinnen, aber es hat sich bei den vergangenen zwei Großereignissen gezeigt, dass es auch anders kommen kann." Eine zweite Medaille erwartet er sich aus den beiden Mannschaftsbewerben. "Wir sind seit Jahrzehnten unter den Top-3-Nationen, da sollte uns das gelingen." Neben der Vierschanzen-Tournee deklarierte Innauer auch das Skifliegen auf dem Kulm zum Ziel, das ja die Generalprobe für die WM 2006 am gleichen Schauplatz ist. "Wir möchten bei der nächsten Heim-WM zu den besten Skifliegern gehören."

Auch von den Nordischen Kombinierern erwartet Innauer einiges. "Felix Gottwald wird versuchen, auch im Gesamt-Weltcup eine Rolle zu spielen und er ist auch einer derjenigen, die das aushalten." Vor allem im Langlaufbereich wurde viel gearbeitet und auch das Betreuer-Service-Team wurde erweitert. Mit dem wieder erstarkten Mario Stecher und einem immer stärker werdenden Bernhard Gruber sowie den Arrivierten wie Michael Gruber, Wilhelm Denifl und Christoph Bieler sollte auch in der Mannschaft einiges zu holen sein. Innauers Vorgabe für die Weltmeisterschaften in Oberstdorf: "Als Titelverteidiger wollen wir im Teambewerb vorne dabei sein, und bei der Vergabe um Gold mitreden." Auch hier erwartet der ÖSV-Sportdirektor ein bis zwei Medaillen.(APA)

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