Aufstieg und Fall der deutschen T-Aktie

1. Dezember 2004, 14:28
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Volksaktie bereitet Anlegern seit vier Jahren wenig Freude

Frankfurt/Main - Mit einem furiosen Debüt ging die Deutsche Telekom vor acht Jahren an die Börse. Das Vertrauen in die vermeintliche Volksaktie bewegte Hunderttausende dazu, erstmals ihr Geld in Aktien zu stecken. Drei Jahre ging es praktisch nur bergauf.

Dann folgte eine Talfahrt, von der sich das Papier bis heute nicht erholt hat. Vor dem Landgericht Frankfurt wollen tausende T-Aktionäre unter anderem wegen einer angeblich falschen Immobilienbewertung nun ihr Geld zurückfordern. Im folgenden die Stationen des Aufstiegs und Falls der T-Aktie:

  • 18. November 1996: Die T-Aktie legt einen gelungenen Start hin. Großanleger zahlen 28,50 Mark (14,57 Euro) für das Papier, Privatinvestoren 50 Pfennig weniger (14,32 Euro).

  • 28. Juni 1999: Beim zweiten Börsengang kosten die neuen T-Aktien 39,50 Euro. Der Boom bei Internet und Mobilfunk beschert dem Papier einen Höhenflug.

  • Frühjahr 2000: Auf dem Höhepunkt der High-Tech-Euphorie überspringt die T-Aktie die Marke von 100 Euro. Die Internet-Tochter T-Online startet mit zweistelligen Kurszuwächsen selbst glanzvoll auf dem Parkett.

  • 19. Juni 2000: Beim dritten Börsengang bringen die neuen Aktien dem Bund einen Rekorderlös von 15,3 Milliarden Euro. Die große Zahl der Aktien drückt den Kurs aber deutlich. Das Papier fällt unter den Ausgabepreis von 66,50 Euro.

  • 24. Juli 2000: Die Telekom kündigt den Kauf des US-Mobilfunkbetreibers VoiceStream für 50,7 Mrd. Dollar an. Ein Preis, den viele für zu hoch halten. Zu diesem Zeitpunkt steht die Aktie bei 47 Euro.

  • August 2000: Die Telekom erwirbt wie in Großbritannien auch in Deutschland eine UMTS-Lizenz für Multimedia-Mobilfunk und zahlt dafür an den Bund rund acht Milliarden Euro. Damit stieg die Verschuldung deutlich.

  • Februar 2001: Die Telekom räumt ein, dass ihr Immobilienbesitz deutlich überbewertet ist. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachtes falscher Bilanzen.

  • 30. Mai 2001: Der VoiceStream-Deal ist endlich besiegelt. Aktionäre des US-Unternehmens bekommen im Tausch T-Aktien, die sie erst nach einer Haltefrist abstoßen dürfen. Als viele Großanleger davon Gebrauch machen, bricht der Kurs ein.

  • 10. September 2001: Die T-Aktie stürzt erstmals unter den Ausgabekurs des ersten Börsengangs.

  • 5. März 2002: Die Telekom verkündet erstmals rote Zahlen für ein Geschäftsjahr. Der Verlust beläuft sich 2001 auf 3,5 Mrd. Euro.

  • 14. Juni 2002: Die T-Aktie fällt unter die magische Marke von zehn Euro.

  • 16. Juli 2002: Ron Sommer wirft nach sieben Jahren das Handtuch

  • 10. Oktober: Die Telekom kündigt an, ihre Internettochter viereinhalb Jahre nach dem Börsengang wieder von der Börse zurückzukaufen. Den Aktionären bot Konzernchef Kai-Uwe Ricke T-Aktien zum Tausch oder 8,99 Euro je Aktie in bar. Bezahlt hatten die T-Online-Aktionäre einst 27 Euro pro Aktie.

  • November 2004: Inzwischen haben die Anleger der ersten Stunde wieder ein leichtes Plus auf ihrem Depotauszug. Davon können diejenigen nur träumen, die beim zweiten oder dritten Börsengang 1999 und 2000 eingestiegen sind: Sie haben aktuell rund 60 beziehungsweise knapp 76 Prozent ihres Vermögens verloren. (APA)
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