Geschwister-Scholl-Preis für Autorin Soazig Aaron

3. Dezember 2004, 12:30
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Für den Roman "Klaras Nein", einem "grandiosen literarischen Wurf, erschütternd und provozierend"

München - Die französische Autorin Soazig Aaron ist am Montag in München mit dem Geschwister-Scholl-Preis geehrt worden. Die mit 10.000 Euro verbundene renommierte Auszeichnung wurde ihr für den Roman "Klaras NEIN" verliehen. Soazig Aaron erzählt in ihrem ersten Roman die Geschichte einer Frau, die sich als KZ-Überlebende weigert, wieder ein "normales" Leben zu führen. Dieses literarische Meisterstück sei um so erstaunlicher, als die Autorin - vier Jahre nach Kriegsende geboren - keine Zeitzeugin ist, urteilte die Jury.

25. Verleihung der Auszeichnung

Zur 25. Verleihung der Auszeichnung habe man keine würdigere Preisträgerin als Soazig Aaron finden können, sagte Christoph Buchwald in seiner Laudatio. Das Buch zeuge wie kaum ein Werk der jüngsten Literatur "von geistiger Unabhängigkeit und ist geeignet, moralischen, intellektuellen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben", sagte Buchwald mit Blick auf die Statuten des Preises. "Und das auf dem höchstmöglichen ästhetisch-literarischen Niveau."

Die Preisträgerin wies in ihrer Dankesrede auf die "Weisse Rose" hin. Wann und wo auch immer die Widerstandsgruppe erwähnt werde, verstehe man sie als Sinnbild für Mut, aber auch für Hoffnung. Diese Bewegung des Widerstandes bezeuge deutlich und unüberhörbar, dass es immer Menschen gebe und geben werde, die aufstehen, um Nein zu sagen. "Obwohl es ein Allgemeinplatz ist, erstaunt es mich immer wieder von neuem, dass dieses kleine Wort der Verneinung das Kennzeichen für Selbstbehauptung ist, wohingegen sein Pendant, das Ja, sehr oft für freiwillige Unterwerfung, ja Selbstaufgabe steht."

Auschwitz - ein Synonym für Unmenschlichkeit

Die Vorsitzende des Landesverbandes des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Rosemarie von dem Knesebeck, betonte, es sei das große Verdienst von Soazig Aaron, Auschwitz - ein Synonym für Unmenschlichkeit - in eine "wunderbare Fiktion" gefasst zu haben. Die "Tagebuch-Erzählung" von Klaras Weigerung, nach Auschwitz zur Normalität des Alltags zurückzukehren, "ist mehr als ein grandioser literarischer Wurf, es erschüttert und provoziert". Wenn es eine Gemeinsamkeit aus 25 Jahren Geschwister-Scholl-Preis gebe, "dann ist es der Glaube an die aufklärerische Kraft der Sprache und Literatur."

Der Preis wird jährlich vom Börsenverein und der Stadt München verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Christa Wolf, Reiner Kunze, Rolf Hochhuth und im vergangenen Jahr der englische Historiker Mark Roseman. (APA/dpa)

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