Kampf um billige Plätze

8. Februar 2005, 16:07
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Claudia Ruff über die Hintergründe der überraschenden AUA-Gewinnwarnung

Die Austrian Airlines Gruppe hat am Montag überraschend eine Gewinnwarnung bekannt gegeben. Statt der prognostizierten 50 Millionen Euro, wird das Ergebnis heuer voraussichtlich nur bei zehn Millionen Euro liegen.

Schuld an dieser Entwicklung sind nicht nur die hohen Kerosinpreise, die der AUA heuer Mehrkosten von 90 Millionen Euro bescheren. Das Problem, mit dem alle europäischen Airlines zu kämpfen haben, sind derzeit extreme Überkapazitäten im Markt, weil die Marktwicklung vielleicht zu optimistisch eingeschätzt wurde. Allein die AUA hat ihr Flugangebot heuer um

19 Prozent ausgeweitet, der Einheitsertrag pro Passagier ist aber um sieben Prozent gefallen. Das heißt es fliegen zwar mehr Passagiere, die aufgrund von Aktionen ("Red-Ticket") weniger für das Ticket bezahlen.

Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage reisen zudem Geschäftsleute häufiger Economy und verzichten auf teuere (für die Airlines aber Ertrag bringende) Business- Class-Tickets.

Nachfragerückgänge gibt es vor allem auf der Mittelstrecke, dem Hauptmarkt der Billigairlines, die sich mit den Netzwerkcarrier einen erbitterten Preiskampf liefern. Auf die schlanke Organisationsstruktur der Low Cost Airlines haben viele Netzwerkcarrier mit ihrer teuren Infrastruktur nicht schnell genug reagiert.

Gleichzeitig finden sich die noch profitablen Fluggesellschaften mit Mitbewerbern wie der Swiss oder einer Alitalia konfrontiert, die vielleicht aus falsch verstandenem Stolz nur noch vom Staat oder der Industrie am Leben gehalten werden.

Voll gepumpt mit Steuergeldern heizen die schwer angeschlagenen Gesellschaften die Preisschlacht noch weiter an. Zu einer Marktbereinigung kam es bisher nicht. Und bei den noch profitablen Airlines schwinden die Erträge von Jahr zu Jahr. (DER STANDARD Printausgabe, 23.11.2004)

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