Gib mir deinen Job, ich geb dir meinen

19. Juni 2006, 14:34
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Der internationale Studentenverein IAESTE finanziert sich in Wien durch Firmenmessen. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Handel mit Auslandspraktika: IAESTE, eine etwas andere Tauschbörse

Valentin Schwarz ist 21, studiert Elektrotechnik und ist Präsident. "International Association for the Exchange of Students for Technical Experience" (IAESTE) heißt die Organisation, deren Lokalkomitee an der TU Wien er vorsteht. Unbezahlt, für ein Jahr, und doch nicht ohne Lohn: "Ich bringe Leute nach Österreich und sehe, wie sie Land und Kultur genießen. Daraus entstehen weltweite Freundschaften, und das ist mir sehr wichtig."

Reger Tauschhandel

IAESTE gibt es in über 80 Ländern. Neben dem zweiten Wiener Büro an der Boku auch in Graz, Linz, Leoben und Innsbruck. Salzburg folgt.

Hauptaufgabe des Studentenvereins ist die Vermittlung von internationalen Praktika für Techniker und Naturwissenschafter. "Jährlich gibt es eine Tauschkonferenz, bei der wir die in Österreich ermittelten Jobs mit anderen Ländern tauschen." Für jedes Praktikum, das einem ausländischen IAESTE-Organ offeriert wird, erhält auch ein österreichischer Student ein Auslandspraktikum.

Finanziert wird die Vereinstätigkeit durch zwei Firmenmessen. Im Frühjahr und im Herbst präsentieren sich zahlreiche Unternehmen in der TU, wie zuletzt Ende Oktober.

Für Wolfgang Gottenhuber, HR-Manager des Linzer Chemiebetriebs AMI, dient die Messe dazu, "hoch qualifizierte Akademiker für offene Positionen, Praktika und Diplomarbeiten zu gewinnen."

Sigrid Gruber-Koller, Personalmanagerin der AVL List GmbH, war zum sechsten Mal da. Bei den Messen fühlt sie sich gut betreut: "Die Studenten machen das hervorragend. Wir werden immer rechtzeitig über alles informiert."

Luke Nowak und Michal Mirkowski von IAESTE-Gli- wice in Polen reisten extra für die Messe nach Wien. "Wir wollen den Wienern über die Schulter schauen", erzählt der 20-jährige Informatikstudent Luke. Der 23-jährige Michal studiert Maschinenbau und war im Sommer als Praktikant bei British-American Tobacco auf Zypern, woran er besonders den kulturellen und freundschaftlichen Gewinn hervorhebt: "Man wird offen für Fremdes. Und das ist gut."

Auch der kroatische Bau- ingenieurstudent Boris Krizan (24) war in Wien, um sich Tipps für die eigene Firmenmesse zu holen. "In Osijek wollen wir das auch machen." Vor zwei Jahren haben er und seine Kollegen bereits einen Versuch unternommen, der jedoch gnadenlos floppte.

Qualität statt Quantität

Valentin ist überzeugt, dass es auch in Wien noch besser werden kann: "Wir wollen unser Service steigern." Dabei wird das Finanzierungsspektrum in naher Zukunft aber nicht verbreitert: "Bei der Messe soll einfach rundum alles passen, dann sind wir zufrieden und können unsere Aufgaben weiter gut erfüllen." (Der Standard, Printausgabe 20./21.11.2004)

Bernhard Madlener

IAESTE
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