In der Dollarfalle

8. Februar 2005, 16:07
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Nicht nur die Europäer, auch die Amerikaner sollten aufpassen, denn mit einer neuen Rezession ist niemandem gedient

Die exportorientierten Unternehmen in Europa stöhnen: Weil der Dollar gegenüber dem Euro mehr und mehr an Wert verliert, werden ihre Produkte im Ausland immer teurer. Viele von ihnen müssen sich gehörig ins Zeug legen, um noch genügend Abnehmer für ihre Produkte zu finden. Das wirkt sich auch negativ auf die Konjunktur in Europa aus. Sie ist nur ein zartes Pflänzchen und hat nicht die Stärke eines Mammutbaums, dem Wechselkursspiele nichts anhaben können.

Die Amerikaner haben offensichtlich Freude an dem Spiel gefunden. Der schwache Dollar mildert ihr Defizit. Ein Defizit im Übrigen, das sich nicht zuletzt aus den üppigen Steuergeschenken der Bush-Regierung an ihre Klientel erklärt.

Wer sich vom Treffen der Finanz- und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer von Freitag bis Sonntag in Berlin Hinweise versprochen hatte, wie es weitergehen könnte, musste enttäuscht sein. Nicht einmal zu einer gemeinsamen Erklärung zum derzeitigen Verfall des Dollarkurses konnten sich die Herren des Geldes aufraffen. US-Präsident George W. Bush meldete sich aus dem fernen Chile. Er sei einem starken Dollar verpflichtet, ließ er wissen. Wie schön! Das hat er aber auch schon vor seiner Wiederwahl gesagt, nur geschehen ist nichts. Etwas konkreter zeigte sich US-Finanzminister John Snow. Er will das Haushaltsdefizit mittelfristig halbieren.

Es ist aber nicht nur das Haushaltsdefizit, das den Dollar in die Tiefe reißt, weil das Vertrauen der Anleger in die US-Währung zunehmend leidet. Es ist auch das klaffende Loch in der US-Leistungsbilanz, das außerhalb der USA immer mehr Sorgen macht. Nicht nur die Europäer, auch die Amerikaner sollten aufpassen, dass die Dollarfalle nicht endgültig zuschnappt. Denn mit einer neuen Rezession ist niemandem gedient. (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 22.11.2004)

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