Unternehmerisch denken trainieren

6. Mai 2005, 13:09
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Ein Projekt der FH Joanneum soll die steirische Wirtschaft stärken

"Es ist ein langer Weg vom Fachexperten oder Projektmanager zu einem echten Unternehmer", weiß Martin Sammer, Physiker und Betriebswirt, der selbst unternehmerische Erfahrungen gemacht hat. Seit März 2004 ist er Professor für Unternehmensführung und Organisation am Studiengang für "Informationsmanagement" der Fachhochschule Joanneum.

Während es mittlerweile relativ viele Initiativen und Literatur für Unternehmer in der Gründerphase gebe, lasse das Angebot für die Zeit danach bald nach: "Bis hin zum Erstellen eines Businessplanes und zur ersten Startphase geht es noch, dann wird es dünn". Dabei müsse ein Businessplan regelmäßig aktualisiert werden, aber tatsächlich, so Sammer "stehen da meistens irgendwelche Dinge drinnen, die mittlerweile nichts mehr mit dem Unternehmen zu tun haben". Das zweijährige Projekt "Business Excellence for Start-Ups", das Sammer ab dem kommenden Sommersemester an der FH Joanneum leiten wird, soll Unternehmen genau in dieser zweiten bis dritten Phase, der so genannten "Wachstumsphase", fördern und helfen, richtige Strukturen zu finden, um das Wachstum professionell zu meistern.

Kostenloses Projekt

Das Projekt soll die beteiligten Unternehmen kostenlos, ganz individuell und "on the job" zu einem schlanken, professionellen Managementsystem und einer passender Organisationsstruktur hinführen. "Business Excellence for Start-Ups" wird gemeinsam mit dem Studiengang für "Management internationaler Geschäftsprozesse" durchgeführt und ausschließlich aus Mitteln des "Zukunftsfonds" des Landes Steiermark finanziert. Die Zusage über 90.000 Euro erhielt die FH Joanneum vor knapp zwei Wochen. Anfang 2005 wird die erste Informationsveranstaltung statt finden. Wer zu den maximal zehn Unternehmen gehören will, die für das Programm ausgewählt werden, muss einiges vorweisen.

Interessierte Unternehmer müssen sich als Hoffnungsträger der steirischen Wirtschaft einschätzen, über ein einzigartiges Verfahren oder Produkt verfügen und vor allem - offen sein. Flunkern verboten. Das ist allerdings, so Sammers Erfahrung, nicht selbstverständlich, denn viele Selbstständige wollen sich nicht viel sagen lassen. "Wir zwingen die Unternehmer, sich mit Strukturen zu beschäftigen. Das löst eine Lernschleife aus, in der die Gründer wirklich erst unternehmerisches Denken und Handeln lernen können".

Eine Mischung aus Leitfaden und "Best Practices Guide" für Start-Ups wird am Ende des Projektes publiziert.

(Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe, 20./21.11.2004)

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