Pröll will mehr Innovationen fördern

3. Dezember 2004, 15:32
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Österreichs Land- und Forstwirtschaft bereitet sich derzeit auf das nächste Tauziehen um EU-Gelder für die ländliche Entwicklung vor

Wien - Nachdem Österreich bei der EU für sein Agrarbudget 2005 ordentlich Cash abholen konnte, wird bereits am neuen finanziellen Forderungskatalog für die ländliche Entwicklung gebastelt. Während der EU-Finanzrahmen dafür zwischen 2007 und 2013 mit insgesamt 10,5 Milliarden Euro bis 13 Milliarden Euro pro Jahr schon abgesteckt wurde, ist der heimische Anteil nämlich noch lange nicht fix.

Heuer standen im Rahmen der Finanzierung für die ländliche Entwicklung in Österreich - etwa für Umwelt-, Bergbauern- und Investitionsförderung, für die Verarbeitungs- und Forstwirtschaft und Kooperationsprojekte - knapp 1,1 Milliarden Euro (EU und nationale Kofinanzierung) zur Verfügung. Den Kampf um den nicht größer werdenden Gesamtkuchen schätzen Experten als "hart, aber nicht aussichtslos" ein.

Geht es nach Landwirtschaftsminister Josef Pröll, soll das Geld künftig dabei vor allem in Schwerpunkte wie naturnahe Bewirtschaftung, in benachteiligte ländliche Regionen, in Innovationsprojekte und generell in eine höhere Professionalisierung bzw. Marktausrichtung der Bauern gehen.

Leerer Topf

Mehr Cash als bisher soll dabei vor allem für die Stützung der Verarbeitung und Vermarktung herausspringen. Der Fördertopf dafür ist nämlich schon jetzt leer - obwohl er eigentlich bis Ende 2006 hätte ausreichen müssen. Als Begründung dafür nennt Reinhard Mang, Prölls oberster Agrarexperte, die große Zahl an Betrieben, die mit neuen Projekten ihre Wertschöpfung erhöhen bzw. sich neue Standbeine schaffen wollen.

Beispielsweise die Wiener Firma Staud, die sich mit ihren Marmeladen weltweit einen Namen gemacht hat und nun eine zweite "saure Produktlinie" installieren wird. Oder: neue Molkereitechniken, die auf eine länger haltbare Frischmilch abzielen. Und: eine Mühle, die nicht nur Mehl, sondern auch Müsliriegel produziert, sowie ein bäuerlicher Betrieb, der sich mittlerweile mit seinen Produkten zum Biogroßhändler mausert.

Prölls oberster Forstwirt, Gerhard Mannsberger, will ebenfalls um einen besser gefüllten Fördertopf kämpfen. "25 statt der bisher 15 Millionen Euro pro Jahr" sind sein Ziel. Die sollten dann vor allem für Strukturverbesserungsmaßnahmen, also etwa Infrastrukturprojekte oder für die Installierung von mehr Waldwirtschaftsgemeinschaften und Produktionsketten genützt werden. Österreichs Forstbetriebe werden sich schon allein deshalb vermehrt anstrengen müssen, meint Mannsberger, weil die neuen EU-Oststaaten - nach erfolgten Privatisierungen - mittelfristig große Forstprogramme präsentieren werden. (Monika Bachhofer, Der Standard, Printausgabe, 22.11.2004)

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    Bauern, die sich als Biogroßhändler ein weiteres Standbein schaffen wollen, oder neue Techniken in der Milchverarbeitung: Die Nachfrage nach Fördercash steigt rapid.

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