Wie sich Unternehmen vom Bankkredit emanzipieren

6. Dezember 2004, 12:07
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Auf der Suche nach Finanzierungsquellen abseits des Bankkredits wird die Verbriefung von Forderungen attraktiv - Für Anleger werden daraus Geldmarktfonds mit Sahnehäubchen

Seit der gemeinsamen Basis des Euro und dem strikteren Risikomanagement der Banken im Vorfeld von Basel II suchen Unternehmen neue Finanzierungsquellen abseits des Bankkredits. Unternehmensanleihen und Privatplatzierungen haben sich in diesem Zusammenhang auch in Österreich schon Platz geschaffen. Jetzt wird die Verbriefung von Forderungen - im Fachjargon Asset Backed Securities (ABS) - aktuell.

Dabei verkauft ein Unternehmen Kundenforderungen an eine spezielle Zweckgesellschaft. Der Ankauf wird durch eine folgende Emission von Wertpapieren (Asset Backed Securities) finanziert. Weil die Zweckgesellschaft solcherart über Sicherheiten verfügt, kann sie sich von den Ratingagenturen gute Bonitätsbewertungen holen.

Forderungen verbriefen

Unternehmen lassen ihre Forderungen verbriefen, weil sie so mehr Bankenunabhängigkeit erreichen, eine bilanzschonende Form der Finanzierung und ein besseres Bilanzbild erhalten: Der Verkauf der Forderungen erhöht die Liquidität im Unternehmen, was genützt werden kann, um Bankverbindlichkeiten zu tilgen. Dadurch steigt in Relation die Eigenkapitalquote.

Auf Investorenseite sei die Nachfrage nach ABS-Fonds besonders groß, sagt Alexander Patka, Produktspezialist bei Oppenheim und Pionier dieses Angebots in Österreich. Der im April 2003 aufgelegte Fonds hat mittlerweile ein Volumen von 300 Mio. Euro. Besonders für institutionelle Investoren sei die Anlage in variabel verzinste Kreditrisiken attraktiv, so Patka: "Sie fahren damit immer über dem Geldmarktniveau." Für gehobene Privatkunden managt Oppenheim jetzt auch für Kepler einen Fonds mit 10.000 Euro Mindesteinlage und einer Verzinsung von 100 bis 120 Basispunkten über dem Dreimonats-Euribor.

Unter anderen bietet auch die DWS solche ABS-Anlagen für Private an. Die Nachfrage nach solchen besser verzinsten Geldparkplätzen sei groß, heißt es.

Auf Unternehmensseite sind Verbriefungen in Österreich bis jetzt einem exklusiven Kreis vorbehalten gewesen, weil die Forderungsvolumen der internationalen Banken für solche Strukturen bei 80 bis 100 Millionen Euro liegen.

Bis jetzt haben etwa die Voestalpine und die Bank Austria ihre Kreditforderungen verbriefen lassen, weitere Transaktionen waren etwa die Wohnbaudarlehen Niederösterreichs und Kärntens, Kredit und Leasingforderungen der Porsche Bank und Forderungen der Telekom Austria, so Matthias Neumüller, Projektleiter für die Asset Securitisation in der Investkredit.

Breiterer Zugang

Mit einer neuen Struktur will er diesen Markt in Österreich verbreitern: Forderungsverbriefung ist via Investkredit ab jetzt bereits mit Forderungsvolumen von rund 15 Mio. Euro aus dem operativen Geschäft möglich. Zu den erwarteten Gesamtvolumen in diesem neuen Instrument will Neumüller noch keine Angaben machen - er ist derzeit auf Roadshow, um das doch komplexe Vehikel, für das auch ein umfangreiches vertragliches Werk notwendig ist, vorzustellen. Erklärungsbedürftig sind dabei auch die vergleichsweise hohen Anlaufkosten für Unternehmen.

Oppenheim-Spezialist Patka zäumt das Pferd von der anderen Seite auf: "Ich glaube, dass durch die große Nachfrage auf Investorenseite das Angebot stark zunehmen wird."(Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 22.11.2004)

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