Schürzenhilfe der Nation

6. Dezember 2004, 12:01
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Amerika will eine konservative First Lady

Dass Laura Bush das Rezept ihrer Haferflocken-Schokolade-Kekse vor der Präsidentschaftswahl in der Zeitschrift Family Circle mit der Schürzenarmada der Nation geteilt hat, ist eine traditionelle Ingredienz jedes US-Wahlkampfes. Dass Lauras Rezept jedoch die Kürbis-Kekse von Teresa Heinz Kerry im Beliebtheitstest mit einer Mehrheit von 67 Prozent ausgestochen hat, alarmierte die Berater der Demokraten. Sie kennen das seit 1936 gültige Naturgesetz ihrer Wahlschlachten: Es gewinnt stets der Ehemann der Keks-Gewinnerin. It's the cookies, stupid.

Die Mehrheit der AmerikanerInnen entschied sich für Laura Bush als First Lady (ihre Beliebtheitswerte sind weit höher als jene von Teresa Heinz Kerry und Hillary Clinton), und die Begründung heißt, sie sei eine Lady. Ein sonniges Gemüt, bodenständig, schlau, ruhig, mitfühlend. Sie hat nach dem 11. September die Nation getröstet, indem sie hunderte persönliche Briefe an die Familien der Opfer schrieb. Sie ist gebildet und kümmert sich um Alphabetisierung und Schulen, aber "stiehlt mir nicht das Rampenlicht" (George W. Bush) - und sie greift als ehemalige Bibliothekarin auch nicht ein, wenn ihr Mann Amerikas Bibliotheken per Gesetz erlaubt, die Leselisten ihrer Kunden ans Weiße Haus weiterzuleiten. Hillary Clinton macht Gesetze, Teresa Heinz Kerry plappert frech, Laura Bush ist ungefährlich. Ihre Intelligenz hat sie, wie es scheint, am Eingang des Weißen Hauses abgegeben, und dazu ihre gesellschaftlich-moralische Aufgeklärtheit: Georges Lieblingsbuch ist die Bibel, Lauras "Die Brüder Karamasow" von Fjodor Dostojewski.

Beruf opfern

Die Mehrheit der AmerikanerInnen wünscht sich immer noch eine First Lady, die ihren eigenen Beruf dem Weißen Haus opfert, als Gastgeberin Washingtons edlen Partykalender füllt und als Diplomatin in zweiter Reihe die Gefühle hebt. Im Klartext: Sie räumt ihrem Mann hinterher. Siehe September 2003. Zwischen Paris und Washington herrscht Eiszeit, Laura Bush fliegt nach Paris und lässt sich von Präsident Jacques Chirac die Hand küssen. Siehe Februar 2003. Die Bush-Regierung verprellt die UNO, Laura Bush heuert als Ehrenbotschafterin für das "Jahrzehnt der Alphabetisierung" bei den Vereinten Nationen an. "First Ladys haben ihre Stärke demonstriert, während sie einen Sinn für moralischen Anstand bewahrten. Sie waren Vorbilder von Anmut und Mode. Sie sind bekannt für ein Benehmen, das Mrs Manners stolz machen würde", insistiert US-Kommentator Robin Mullins Boyd.

Image definieren

Laut Historiker Gil Troy soll eine gute Ehefrau im Weißen Haus "helfen, das öffentliche Image ihres Mannes zu definieren". Oder zu korrigieren. Feldherr Bush bombardiert den Irak, Laura Bush greift zum Weichzeichner und erklärt, George wäre schweren Herzens in den Krieg gezogen. 20 Jahre vorher bat der frühere sowjetische Außenminister Andrej Gromyko Nancy Reagan bei seinem Besuch im Weißen Haus, sie möge ihrem Ehemann jeden Abend das Wort "Frieden" ins Ohr flüstern. Nancy willigte ein, schob aber nach: "Und ich werde es auch in Ihr Ohr flüstern." Nancy Reagan garantierte Loyalität, wie später Barbara und jetzt Laura Bush. "Laura Bush operiert nicht unabhängig vom Weißen Haus, wie etwa Eleanor Roosevelt oder Hillary Clinton. Sie hat keine eigene Agenda", erklärt der Politologe Anthony Eksterowicz. Bush punktet daher, weil sie sich einmal - in einer TV-Sendung 2001 - und nie wieder öffentlich für das Recht auf Abtreibung ausgesprochen hat. Laura Bushs spätere Erklärung zum "nie wieder" tönte, "ich wurde nicht gewählt. George wurde gewählt. Ich würde ihn nie untergraben wollen." Betty Ford dagegen, Lauras Vorgängerin vor 30 Jahren, wird noch heute angelastet, sie habe ihrem konservativen Ehemann Gerald Ford wegen ihrer liberalen Ansichten zu Drogen und Abtreibung die Wiederwahl 1976 vermasselt.

Die Ironie an Laura Bush: Sie hat mehr Pfeffer als ihr Image. Sie pries Judith Steinberg, die Ehefrau des demokratischen Kandidaten Howard Dean dafür, dass sie ihr Tagwerk als Ärztin nicht vom Wahlkampf ihres Mannes stören ließ. Amerika war empört. Doch Laura Bush sagte, "Ich fand das toll. Man könnte doch meinen, dass die Leute so was bewundern." Laut Medienberaterin Sheri Annis hafte aber die Mehrheit der Amerikaner an einem Mamie-Eisenhower-artigen First-Lady-Image der 50er-Jahre. "Die Leute wollen Kekse und Kindergärten", so Annis. Laura Bush ist also nicht das Problem. Sondern es sind jene Amerikaner, die Lauras Kekse nachbacken und selbst 2004 millionenfach im präsidialen Keksbewerb votieren. []

Von Verena Ringler
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    Ehemalige und "amtierende" First-Ladies (v.l.n.r.): Rosalynn Carter, Hillary Rodham Clinton, Laura Bush und Barbara Bush.
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