Nebenjob Gattin

6. Dezember 2004, 12:01
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Drei Role-Models versuchten ein neues Rollenbild

Dem Gatten den Rücken freihalten - und das schön frisiert. An diese simple Job-Description für Politikerfrauen, höchstens angereichert mit Charity-Verpflichtungen am Punschstand und Co und Lächel-Verpflichten jederzeit, haben sich zwar nie alle gehalten. Ilse Bartenstein etwa führte, Ministeramt ihres Gatten hin oder her, das Familien-Pharmaunternehmen und dachte nicht daran, sich nur auf die Gattinnen-Tätigkeit zu beschränken.

Das althergebrachte Rollenbild der Gattin im Hintergrund haben aber nicht zurückhaltende berufstätige Frauen wie Bartenstein und Co durchbrochen, sondern drei schillernde Role-Models der 90er-Jahre: Cherie Booth Blair, Hillary Rodham Clinton und Doris Schröder-Köpf. Das smarte Trio wollte sich nicht auf die Rolle der Einflüsterin im Wohnzimmer der Macht zurückziehen. Ich bin mehr als die Frau des Regierungschefs, so lautete die einhellige und laute Botschaft, die schon allein durch den Bestemm auf den eigenen Namen (Booth statt Blair) vermittelt wurde.

Aber nicht nur dadurch: Schon zwei Wochen nach Blairs erstem Wahlsieg stand die auf Arbeitsrecht spezialisierte Staranwältin Cherie Booth wieder im Gerichtssaal. Sie verdient mehr als ihr Mann, sie hält hoch bezahlte Vorträge und hat es im Ranking des US-Magazins Forbes zur zwölftmächtigsten Frau der Welt gebracht. Eine exponierte eigene Karriere nicht ohne Kalamitäten: Ein dubioser Wohnungskauf und die Wahl eines Serienbetrügers als Berater brachten nicht nur Cherie, sondern auch den Ehemann in Probleme. "Ich bin keine Superfrau", schluchzte sie nach diesem Cherie-Gate in die Fernsehkameras. Und klagte später in ihrem Buch The Goldfish Bowl über das Leben im Aquarium unter ständiger Beobachtung. Sobald Frauen von Politikern Aktivitäten entwickeln, die über die Wahl der richtigen Krawatte für ihn oder eine zeremonielle Schiffstaufe hinausgehen, werden sie kritisch bis überkritisch beäugt.

Dabei gibt es Gleichberechtigung. Auch die viel rarere Spezies der Politikerinnen-Gatten sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Unvergessen etwa der Exehemann von Barbara Prammer, der ausgerechnet als Mann der Frauenministerin wegen sexueller Belästigung belangt wurde. Oder die Rüstungsgeschäfte von Alfons Mensdorff-Pouilly, wegen derer Ministerin Maria Rauch-Kallat wiederholt Erklärungsbedarf hatte. Allerdings: Die Gehässigkeit der Attacken erreicht bei Gatten nie dasselbe Niveau wie bei Gattinnen. Davon kann vor allem Hillary Clinton ein Lied singen.

Dabei hatte die Anwältin nach gescheiterten Versuchen, an der Gesundheitsreform zu werken und sich quasi als Teil der Regierung zu präsentieren, einiges getan, um sich statt als clevere Karrierefrau als harmloses Weibchen zu präsentieren. Kekse backen, Bücher über Kindererziehung, duldsames Leiden unter Bills Affären - solche Aktionen brachten zwar Feministinnen auf, minderten aber die Rage der Hillary-Hasser kaum. Unter diesem Dilemma der ambitionierten First Lady litt Hillary - bis Bill aus dem Weißen Haus aus- und sie als Neo-New-Yorkerin in den Senat einzog. Mittlerweile gilt die einst viel gescholtene Hillary als eine der wenigen Hoffnungsträgerinnen unter den Demokraten - und hat sogar gewisse Chancen, einmal als erste Präsidentin das Rollenbild ernsthaft umzukehren - und Gatten Bill vor das Problem zu stellen, wie er sein Licht möglichst unter den Scheffel stellt.

Diesen Konflikt zwischen eigener Karriere und Karriere des Mannes hat Doris Schröder-Köpf nie ausgetragen. "Wählt der Doris ihrem Mann seine Partei" lautete zwar ein pseudofeministischer Slogan der SPD - die gestrenge deutsche Paradefeministin Alice Schwarzer nannte die Kanzlergattin aber sogar "einen Rückschritt für Deutschlands Frauen". Hatte doch Doris Schröder ihren Job als Journalistin aufgegeben - Politikredakteurin und Kanzlergattin schien ihr unvereinbar.

Außerdem sieht sie den Job Kanzlergattin als Fulltimejob: "Ich arbeite nicht weniger als früher, als ich noch als Redakteurin voll berufstätig war. Oft sind es 70 Stunden Arbeitszeit. Das ist ein kompletter Job - nur ohne eigenes Gehalt." Neben all dem Repräsentieren und Ratgeben hätte sie für den Journalismus ohnehin keine Zeit gehabt. Nur Kolumnen in der Bild-Zeitung, die gehen sich manchmal aus. Sofern sie Herrn Schröder nutzen. (DER STANDARD, Album, Print-Ausgabe vom 20./21.11.2004)

Von Eva Linsinger
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