Von Arnie siegen lernen

7. Februar 2005, 17:48
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Was soll eigentlich das weltweite Getue um den wiedergeborenen Christen und wieder gewählten Präsidenten der USA?

Was soll eigentlich das weltweite Getue um den wiedergeborenen Christen und wieder gewählten Präsidenten der USA? Es verdeckt doch nur den wirklich wichtigen Mann, der im Hintergrund die Fäden gezogen hat, an der die Marionette im Weißen Haus baumelt. Und wieder einmal brachte nur der US-Korrespondent der "Kronen Zeitung" an den Sonntag, auf wen es heute in den USA wirklich ankommt und wie es weitergeht. Wie wird es nach dem Wahlsieg mit Schwarzenegger, dem "Noch-Immer-Österreicher", der Bush beim Siegen kräftig geholfen hat, weitergehen? fragte Hans Janitschek, und er hatte auch die Antwort: Bestens.

Der Anlass bot sich an: Gestern Donnerstag war es nun genau ein Jahr, dass der "Steirerbub" im Amt ist! Keine Rede mehr von Bodybuilding oder Hollywood, verspricht Hans Janitschek, um sofort die Rede auf Bodybuilding oder Hollywood zu bringen: Aus dem vielfachen Mr. Universe und dem dreimaligen "Terminator" ist eine bedeutende politische Figur Amerikas geworden, und nur die US-Verfassung verwehrt ihm noch den Sprung ins Weiße Haus. Sauerei aber auch!

Es liegt nur an diesem Fetzen Papier, die Wähler haben nämlich beim dreimaligen "Terminator" naturgemäß weniger mitzureden. Denn er hat eines der mächtigsten Ämter nicht nur im Handumdrehen erworben - woran man erkennt, wie unsinnig und aufgebauscht das Gerede von technischen Problemen in amerikanischen Wahllokalen ist -, er hat auch etwas daraus gemacht. Selbstverständlich auch im Handumdrehen. Kalifornien ist die gigantische Schuldenlast los, die er von seinem unglücklichen Vorgänger erbte.

Sogar ein Genie wie Karl Heinz Grasser tat sich damit nicht leicht, aber da spürten die Österreicherinnen und Österreicher wenigstens, zu wessen Lasten sein Nulldefizit ging. Arnie muss die gigantische Schuldenlast entweder weggezaubert oder aus der eigenen Tasche bezahlt haben, der US-Korrespondent der "Krone" schweigt sich leider darüber aus, statt dem schon wieder defizitgeplagten Liebling des Blattes in der Himmelpfortgasse wenigstens einen kleinen Hinweis zu geben.

Aber der 57-jährige Gouverneur hat Kalifornien nicht nur wirtschaftlich durch Abbau des riesigen Budgetdefizits vor dem Bankrott gerettet - für einen dreimaligen "Terminator" schließlich ein Klacks. Er hat dem Staat auch neue kulturelle Impulse gegeben, und zwar auf höchsten Niveau: Das Schulsystem wird reformiert, sodass es in fünf Jahren keine Analphabeten mehr geben wird. Das ist keine Gefahr für einen vielfachen Mr. Universe, er pflegt ja seine Ämter im Handumdrehen zu erwerben. Und ganz was Neues: Die Universitäten sind für ausländische Wissenschafter wieder interessant geworden. Vermutlich, weil Professor Schwarzenegger dort Vorlesungen hält, ohne dass Herr Janitschek uns das verrät. Nicht zufällig ist Kalifornien zum internationalen Vorkämpfer für die Stammzellenforschung geworden.

Dass ihn bereits 25 Prozent der Amerikaner als den nächsten Präsidenten sehen, ist überhaupt kein Wunder. Die spüren, wo politische Berufung begraben liegt, und wenn es in der Steiermark ist. Tatsächlich hat sich der aus dem steirischen Dorf Thal stammende Erfolgsmensch schon immer für die Politik interessiert. Darum hat er schon als Steirerbub die russischen Panzer gesehen und den Kommunismus am eigenen Leib verspürt.

Aber Interesse für die Politik genügt nicht, man muss auch etwas daraus machen können. "Was mir am meisten hilft, ist meine Fähigkeit, Menschen für mich zu gewinnen", verriet er sein Amtsgeheimnis. Politik kann so einfach sein. "Wenn ich heute etwas durchsetzen will, wende ich mich an die Bevölkerung und mit deren Zustimmung überwinde ich alle Widerstände." Warum plagt sich Wolfgang Schüssel immer so lange mit diesen Freiheitlichen, wenn er sich doch nur an die Bevölkerung wenden müsste, um alle Widerstände etwa gegen seine Pensionsharmonisierung zu überwinden? Sollte es ihm gar an der Fähigkeit fehlen, Menschen für sich zu gewinnen?

Bei Arnies Technik der Widerstandsüberwindung ist es kein Wunder, dass ihm die Herzen vor allem der Jugend zufliegen. Überhaupt verzeiht ihm die Öffentlichkeit nicht nur seinen Akzent und sein Geschichtsbild, sondern auch seine Vorliebe für große Zigarren, die er in seinem Beduinenzelt im Hof des Gouverneurpalastes schmaucht. Auch dass er weiterhin bei Frau und Kindern in Los Angeles wohnt und jede Woche nur wenige Male in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento übernachtet, hat ihm nicht geschadet.

Bei einem Steirer, dem nicht einmal das Schmauchen großer Zigarren in einem kalifornischen Beduinenzelt schadet, besteht in eingeweihten Kreisen, und die "Krone" gehört dazu, kein Zweifel darüber, dass Schwarzenegger die besten Chancen hätte, die Partei neuerlich zum Sieg zu führen. Die Verfassung stört ihn dabei nicht, weil ich dieses Gesetz für überholt halte. Sollte es Widerstände gegen eine Änderung geben, dann wendet er sich halt an die Bevölkerung. (DER STANDARD; Printausgabe, 20./21.11.2004)

Von Günter Traxler
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