Nick Cave & the Bad Seeds: "Abattoir Blues/The Lyre of Orpheus"

    21. Oktober 2005, 15:00
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    Auch nach dem Ende seiner exzessiven Jahre haben seine Songs nicht an Kraft verloren

    Die exzessiven Jahre hat Nick Cave hinter sich gelassen und sich seit längerem schon dem christlichen Glauben zugewendet, was aber nicht bedeutet, dass seine Songs an Kraft verloren hätten. Im Gegenteil, mit dem neuen Doppelalbum Abattoir Blues/The Lyre of Orpheus beweist er einmal mehr seine Vielfältigkeit. Die beiden Alben beinhalten düstere Visionen in guter alter Nick Cave Manier, daneben finden sich aber auch Balladen, die von den schönen Seiten des Lebens erzählen. Er spielt mit schwarzen Humor genauso wie mit biblischen Szenen. Gleich mit dem ersten Song "Get ready for love!" – Praise Him auf Abattoir Blues, der gesanglich vom Londoner Community Gospel Choir kräftig unterstützt wird, kommt diese Religiosität zum Ausdruck.

    Abattoir Blues/The Lyre of Orpheus, das erste Projekt von Nick Cave & The Bad Seeds ohne Blixa Bargeld, zeigt neben vielschichtigen Arrangements und lyrischer Tiefe auch die Experimentierfreudigkeit der Band. Die beiden CDs könnten, von der Stimmung, die sie verbreiten, kaum kontrastreicher sein und dennoch sind sie ein gegenseitige Ergänzung.

    Auf Abattoir Blues (Schlachthaus Blues) finden sich die raueren und lauteren Songs, die durch die Unterstützung des Gospelchors zum Teil auch sehr bombastisch arrangiert sind und mit vielen Brass-Elementen versehen wurden. Wohl kein Album von Nick Cave hat eine derartige gute Laune, trotz schwermütiger Texte verbreitet, wie dieses. Zu den Höhepunkten dieser CD gehören neben “Get Ready For Love” auch “Nature Boy” und “There She Goes, My Beautiful World” – ein Klagelied über abhanden gekommene Inspiration. I look at you and you look at me and/deep inour hearts know it/ that you weren’t much of a muse/ but then I weren’t much of a poet

    Nick Cave in der Unterwelt

    Das zweite Album, The Lyre of Orpheus ist langsamer und beherrschter, dafür wird dem Gesang mehr Raum gegeben. Die Bilder, die die Songs erzeugen, sind aber nicht weniger düster, auch wenn einzelne Musikelemente die melancholischen Texten relativieren. „Breathless“ zum Beispiel, dessen Intro mit zarten Flötenklängen sofort eine Leichtigkeit erzeugt, kommt dabei einem Folk-Song schon sehr nahe. Auch auf diesem Album wird Nick Cave von dem Gospelchor unterstützt, der aber im Gegensatz zur ersten CD viel mehr im Hintergrund bleibt.

    Nick Cave & The Bad Seed sind älter geworden und so auch ihre Musik. Mit diesem Doppelalbum beweisen sie aber einmal mehr, wo ihre Stärken und ihre Einzigartigkeit liegen. Es ist ein Album mit einer bildreichen Sprache und tiefsinnigen Texten, eingebettet in gelungene Arrangements und mit vielfältigen Klangfarben untermalt. (ost)

    • Nick Cave & The Bad Seeds
Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus
Mute/EMI 2004
      cover

      Nick Cave & The Bad Seeds
      Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus
      Mute/EMI 2004

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