Begleiterscheinungen Beruf und Studium

6. Mai 2005, 13:09
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Fast 6000 Personen absolvieren das FH-Studium parallel zu einem Fulltime-Job. Die zeitliche Belastung ist dabei groß

"Kein Garantieschein für ewigen Erfolg und Karriere, aber ein Meilenstein in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung" ist für Manuela Jussel ihr berufsbegleitendes Studium. Die 35-jährige Pharmareferentin studiert im siebten Semester Internationale Unternehmensführung (iUF) an der Fachhochschule Dornbirn. Sie ist eine von 5871 Studierenden an Österreichs Fachhochschulen, die gleichzeitig einem Beruf nachgehen. 27 Studiengänge werden berufsbegleitend angeboten, 22 davon sowohl als Vollzeit als auch als Teilzeitstudium.

Seit mehr als sechs Jahren investiert Frau Jussel "jede freie Minute" in ihr Studium. Rund 26 Stunden pro Woche muss sie im Durchschnitt für die Weiterbildung aufbringen. "Mit Studienbeginn hat sich das Leben sehr verändert, man hat nicht mehr viel Zeit für Freunde, Hobbys und den Partner."

Zeitmanagement

Die freie Zeiteinteilung als Außendienstmitarbeiterin habe ihr vieles erleichtert, dennoch sei es nicht immer einfach gewesen Fulltime-Job und Studium unter einen Hut zu bringen. "Ich wurde aber von meinem Arbeitgeber sehr unterstützt." Dazu gehörten zwei Tage Bildungsfreistellung pro Semester, der "Endspurt", die Diplomarbeit, wird durch ein einmonatiges Sabbatical erleichtert.

"In der Regel ist die Unterstützung durch die Arbeitgeber groß", bestätigt Peter Hochegger, Geschäftsführer von Campus 02, den FH-Studiengängen der Wirtschaft in Graz. Dennoch bemühe sich sein Institut um Einverständniserklärungen der Dienstgeber. "Wir versuchen in den Aufnahmegesprächen zu vermitteln, dass es notwendig ist, dass alle drei Sphären, die berufliche, private und die des Studiums stimmen." Vorlesungen werden "primär auf Freitagnachmittage und Samstage gelegt", damit das Berufsleben nicht beeinträchtigt wird.

750 Studierende besuchen zur Zeit die vier Studiengänge (Automatisierungstechnik, IT/ IT-Marketing, Marketing, Rechnungswesen und Controlling), 40 Prozent davon sind Frauen. Nach neun Jahren Erfahrung mit berufsbegleitenden Bildungsangeboten wisse man, sagt Hochegger, "dass die Belastung der Studierenden enorm ist". Aus diesem Grund werde in Graz das Selbststudium, unterstützt durch E-Learning, forciert. Den "stark vorhandenen Wunsch" nach gemeinsamem Lernen kommt man in Graz mit Lern- und Studiengruppen, die sich in den jeweiligen Firmen treffen, nach. Peter Hochegger: "Wir versuchen, die Eigenverantwortung der Studierenden zu stärken."

Entlastung

Rebecca Beer, promovierte Chemikerin aus Schnepfau im Bregenzerwald, hat sich erst vor Kurzem auf das Abenteuer Freizeitstudium eingelassen. Die 28-jährige Angestellte eines Metall verarbeitenden Unternehmens ist die einzige Frau im Lehrgang Integrated Product Development (IDP) an der Fachhochschule Dornbirn. Die niedrige Frauenquote kennt sie als Naturwissenschafterin von der Uni. Was ihr vollkommen neu ist, sind die Dienstleistungen der Fachhochschule: "An der Uni hat man jeder Kleinigkeit selbst nachrennen müssen, die Bürokratie hat unheimlich viel Zeit gekostet. Hier ist alles super organisiert." Dank des frühzeitigen Studienplans ließen sich berufliche Tätigkeit und Studium gut aufeinander abstimmen, sagt Rebecca Beer.

"Die Fachhochschulen müssen den berufsbegleitend Studierenden optimal abgestimmte Studienzeiten als besonderen Service anbieten und ihnen die organisatorische Abwicklung abnehmen", bekräftigt Karl C. Ennsfellner. Der Studiengangsleiter Unternehmensführung und E-Business Management an der FH Krems weiß: "Über eines verfügen gerade die berufsbegleitend Studierenden nicht: über Zeit."

(Jutta Berger/DER STANDARD-Printausgabe, 20./21.11.2004)

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