Touristiker für Gratisskipass bis 14 Jahre

3. Dezember 2004, 15:32
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WKO-Schenner will Urlaub für Familien billiger machen - Hotelpreise werden erhöht - mit Infografik

Wien - Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre sollten generell freie Fahrt auf Österreichs Skipisten bekommen. Mit dieser Forderung ließ am Donnerstag der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Johann Schenner, aufhorchen.

Skifahren werde zunehmend ein Luxus, monieren Kritiker. Österreichs Skigebiete haben für die beginnende Wintersaison die Preise für Tageskarten um ein bis zwei Euro angehoben. Bei einem Durchschnittspreis von 30 Euro für eine Tageskarte entspricht das einer Verteuerung um vier Prozent. Auch in den Nachbarländern wird Skifahren teurer (siehe Grafik).

Besonders für Familien mit mehreren Kindern werde es zunehmend eng, sagte Schenner. Ein Rattenschwanz an Problemen sei die Folge: weniger Familien, die sich einen Winterurlaub leisten, aber auch weniger Skifahrer, die in Zukunft die Pisten bevölkern. "Die Kinder sind die Gäste von morgen; das dürfen wir nicht vergessen, da muss etwas geschehen", sagte Schenner am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Seilbahnen dagegen

Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes und selbst Seilbahnunternehmer, geht seit Längerem mit demselben Anliegen hausieren. Er will, dass Kinder bis zehn Jahre, in Begleitung eines Elternteils, gratis Lift fahren können - und macht das auch in einigen Skigebieten vor. Schröcksnadel fügt aber auch hinzu, dass es nichts zum Verschenken gäbe, dass die bestehenden Familienkarten halt anders deklariert werden müssten.

Für Erik Wolf, den Geschäftsführer des Fachverbandes der Seilbahnwirtschaft, geht es darum, attraktive Angebote für Familien zu schnüren, wo der Preis für Übernachtung, Verpflegung in den Skihütten und Lifttransport insgesamt passt. Die Seilbahnwirtschaft komme auf Einnahmen pro Kunde und Tag von 17,60 Euro, wobei Freikarten eingerechnet seien. Die Gesamtaufwendungen beliefen sich auf 16,50 Euro je Kunde und Tag. Wolf zum STANDARD: "Es gibt wenig Spielraum."

Heuer habe die Branche allein in neue Beschneiungsanlagen 100 Mio. Euro investiert. Gratisliftfahrt für alle bis 14 Jahre würde laut Wolf heißen, dass man den etwa 500 kleinen Schleppliftunternehmen, die es in Österreich abseits der großen Skiverbände gibt, die Lebensgrundlage entzieht.

Die Hoteliers selbst haben nach Angaben von Spartenobmann Schenner die Preise für Übernachtung in der Winter-hauptsaison um rund zwei Prozent (inflationsbereinigt) angehoben. Das entspricht einer nominellen Verteuerung um etwa vier Prozent. (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 19.11.2004)

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