18.11.: Initiativen für Stopp des zentralen Buchkaufs

9. Dezember 2004, 13:05
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Franz Morak spricht mit Karl-Heinz Grasser

Wien - Anfang der Woche, bei einer Rede anlässlich der Eröffnung der Buchwoche im Rathaus, versicherte Kulturstaatssekretär Franz Morak den Hauptverband des österreichischen Buchhandels seiner vollen Unterstützung: "Sie werden mich selbstverständlich an Ihrer Seite finden."

Anlass war - und ist - die Bedrohung des Sortimentsbuchhandels durch den zentralisierten Bucheinkauf der Republik über die Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) sowie durch deren offene Infragestellung des Buchpreisbindungsgesetzes. Eines Gesetzes, das vor wenigen Monaten erst mit den Stimmen aller vier Parteien im Parlament angenommen worden war.

Geplanter Starttermin für den zentralisierten Bucheinkauf aller Bundesinstitutionen über die BBG bei Morawa und Co. ist der 1. 1. 2005. Rasches Handeln ist daher angesagt. In den kommenden Tagen will nun der Staatssekretär zu intensiven Gesprächen mit HV-Präsident Alexander Potyka zusammentreffen - und mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Die BBG nämlich ist eine Tochter des Finanzministeriums.

Durch eine Anordnung Grassers könnte der Artikel Buch aus der Ankaufsliste der BBG gestrichen werden. Für die BBG ein kleiner Verlust: Bei dem schmalen Umsatzvolumen des staatlichen Buchkaufs von sechs Millionen Euro und einem im Vergleich zum unzentralisierten Status quo (Bundesinstitutionen erhalten heute schon auf Bücher fünf Prozent, auf - rabattungebundene - internationale Fachzeitschriften den größtmöglichen Nachlass) minimalen Einsparungspotenzial verliert der Staat vor allem eines: viel unnötigen Ärger.

Ein Verlust, der durch den kulturellen Gewinn, den eine funktionierende Buchhandelsstruktur für das Land Österreich bedeutet, zigfach wettgemacht würde. Das weiß auch Kulturstaatssekretär Franz Morak.

Gleichfalls auf die Seite des HV stellte sich die IG Autorinnen Autoren. In einem offenen Brief beklagt sie "die Unterwanderung des festen Ladenpreises durch die dem Finanzministerium zugehörige Bundesbeschaffungsgesellschaft und ihres Geschäftspartners Morawa & Co." und fordert den Finanzminister auf, "den Buchankauf aus der Ankaufsliste der BBG zu streichen".
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.11.2004)

Von
Cornelia Niedermeier
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