OECD: Kritik an derzeitigem und geplantem Gehaltssystem

12. April 2005, 14:03
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Höheres Anfangsgehalt und flachere Gehaltskurve "kontraproduktiv" - Bildungsstandards positiv bewertet - Lehrer-Mobilität gering

Im Österreich-Länderbericht zu der Lehrerstudie "Attracting, Developing and Retaining Effective Teachers" übt die OECD Kritik am derzeitigen Gehaltssystem für Lehrer sowie auch an den geplanten Änderungen, die ein höheres Anfangsgehalt und eine flachere Gehaltskurve vorsehen.

"Jobgarantie"

Das geltende System mit einem niedrigen Grundgehalt, das alle zwei Jahre automatisch kontinuierlich anwachse, biete zwar Stabilität und fast eine "Jobgarantie" für die Pädagogen, liege aber nicht im Interesse der Schüler und der Allgemeinheit.

"Neues Modell"

Das im Zuge der Beamten-Gehaltsverhandlungen grundsätzlich akkordierte neue Modell mit einer flacheren Gehaltskurve könnte nach Ansicht der OECD sogar "kontraproduktiv" sein, da es wenig Anreize biete, bis zum vollen Pensionsalter zu arbeiten. Stattdessen schlägt der Länderbericht eine nach den Bedürfnissen der Schule bzw. der Leistung und der Spezialisierung der Lehrer differenzierte Bezahlung vor.

Wenig Transparenz

Grundsätzlich kommt das österreichische Bildungssystem in dem Länderbericht relativ gut weg - obwohl oft als Vorteil gepriesene Errungenschaften wie die starke Föderalisierung und Differenzierung auch hinterfragt werden. Auf Grund der Föderalisierung gebe es in der Bildungspolitik viele Akteure, aber wenig Transparenz, wer nun für welchen Bereich zuständig ist, so der Länderbericht. Vorteil des Systems: Die Schulen seien natürlich nicht nur von einer Geldquelle abhängig. Nachteil: Die vielen Akteure führten natürlich auch zu hohen Kosten und lägen nicht im Gesamtinteresse der Bildungsqualität. Durchgängig positiv wird die Einführung von Bildungsstandards gesehen.

Hohe Kosten

Die Vielzahl der Schultypen wie AHS-Unterstufe, Hauptschule auf der einen Seite bzw. AHS-Oberstufe, das berufsbildende Schulwesen und die Berufsschulen auf der anderen Seite führe zu einer großen Auswahl, aber auch zu hohen Kosten und Fragmentierung. Die Wahlmöglichkeiten würden primär außerdem vor allem in Wien und den größeren Städten bestehen.

Wenig Mobilität

Als gering schätzt der Bericht auch die Mobilität der Lehrer ein. Der Beruf werde als "Job fürs Leben" angesehen. So gebe es weder Anreize für angehende Lehrer, in Fächer mit Lehrer-Mangel wie Mathematik oder Naturwissenschaften zu gehen oder für bereits im System befindliche Pädagogen zur Umorientierung. Das derzeitige Modell der Lehrer-Ausbildung statte die Pädagogen auch nicht mit marktfähigen Qualifikationen aus, die es ihnen erlauben, auch in anderen Tätigkeitsfeldern zu arbeiten.

Unbeliebte Evaluation

Auch mit der Bereitschaft zur Evaluation steht es offenbar nicht zum Besten: So werde die "pädagogische Autonomie so hochgehalten", dass die Einführung von anderswo "als Routine angesehene Evaluationstechniken von den Lehrern als Verletzung ihres Rechts auf Privatsphäre in den Klassenzimmern" angesehen werden könnte. Die direkte Beobachtung des Unterrichts durch die Direktoren oder andere Lehrer sei eher die Ausnahme als die Regel.

Gehrer lobt

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hob in einer Aussendung vor allem die positiven Aspekte des Berichts hervor. So seien das durchwegs gute Arbeitsklima in den österreichischen Klassen, die Einführung von Bildungsstandards und die hohe Qualität der Ausbildung der Lehrer hervorgehoben worden. Die Pädagogen würden über hohe Eigenverantwortung bei der Gestaltung des Unterrichts verfügen. (apa)

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