Der Frauenbewegung verschrieben

13. Dezember 2004, 11:44
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75. Geburtstag der feministischen Autorin Marilyn French, bekannt seit ihrem Debüt-Roman "The Women's Room"

New York - Marilyn French rangiert unter den profilierten Schriftstellerinnen, die sich ganz der Frauenbewegung verschrieben haben, mit an vorderster Stelle. Wie Betty Friedan und Erica Jong will sie mit ihrer Feder den Kampf der Geschlechter vorantreiben. Schon mit dem Debüt-Roman "The Women's Room", auf Deutsch "Frauen", avancierte sie 1977 zur internationalen Bestsellerautorin. Die Biografie von 16 miteinander verknüpften Frauenschicksalen wurde in 20 Sprachen übersetzt und später auch verfilmt. Sie verhalf der an der Harvard Universität dozierenden Literaturwissenschafterin zum Durchbruch und machte sie zu einer Ikone der "Women's Lib(eration)". Am 21. November wurde sie 75 Jahre alt.

Radikale Feministin French

Für das männliche Geschlecht hat die geschiedene Autorin und zweifache Mutter nur Verachtung übrig. "In Bezug auf Frauen sind alle Männer Vergewaltiger", ist das Zitat, das mit ihr am häufigsten in Verbindung gebracht wird. "Sie vergewaltigen uns mit ihren Augen, mit ihren Gesetzen, mit ihren Verhaltensvorschriften", begründet die radikale Feministin ihre Antipathie. So zieht sich ihre autobiografische Heldin immer dann auf die Damentoilette zurück, wenn sie den Anblick von Männern nicht mehr ertragen kann.

Kampf gegen untergeordnete Stellung der Frau in einer Männerwelt

Ebenso parteiisch analysiert sie den Kampf der Geschlechter. "Der Krieg gegen die Frauen" heißt eines ihrer Sachbücher, in dem sie 10.000 Jahre Geschichte nach dem für sie einzig geltenden Maßstab misst: "Wenn man an einer Geschichte über Frauen arbeitet, lässt sich nicht verleugnen, dass weltweit die Männer gegen die Frauen kämpfen". Von den allgemein geschätzten "großen Denkern" hält sie nicht viel, weil sie eben keine Feministen waren. Auch Ziele wie Aufklärung, Liberalismus, Pazifismus und Naturschutz lehnt sie mit der Begründung ab: "Das würde den Hauptpunkt nur aufweichen" - die untergeordnete Stellung der Frau in einer Männerwelt.

Hass zwischen Frauen

Nach weiteren Romanen wie "Tochter ihrer Mutter" und "Tagebuch einer Sklavin" sowie dem Erzählband "Die weißen Handschuhe" gelang French Anfang der 1990er Jahre ein weiteres Monumentalwerk. In "Vater unser" zeichnet sie die tödlich endende Auseinandersetzung zwischen vier Halbschwestern und ihrem Vater nach. Grundthema des Buches, in das sie nach eigener Aussage besonders viel von sich hineinlegte, ist der Hass zwischen vier Frauen, der aus ihren gegensätzlichen Lebensanschauungen erwächst.

Nicht aufgegeben

Kurz vor seiner Fertigstellung wurde 1992 ein bösartiger Tumor an ihrer Speiseröhre diagnostiziert, der French nach Meinung der ÄrztInnen höchstens noch eine Lebenserwartung von 18 Monaten zugestand. Doch die kämpferische 63-Jährige gab nicht auf. Sie beendete "Vater unser" und schrieb trotz schwerer Krankheit einen weiteren - satirischen - Roman. "Mein Leben mit George" beleuchtet die leidenschaftliche Liebe einer Frau Mitte 60 zu einem jüngeren Mann. Über ihren erfolgreichen Kampf gegen den Krebs reflektierte sie anschließend überaus eindrucksvoll in dem autobiografischen Band "Meine Zeit in der Hölle" (2001). (APA)

  • French: "Wenn man an einer Geschichte über Frauen arbeitet, lässt sich nicht verleugnen, dass weltweit die Männer gegen die Frauen kämpfen."
    buchcover "the women's room"
    French: "Wenn man an einer Geschichte über Frauen arbeitet, lässt sich nicht verleugnen, dass weltweit die Männer gegen die Frauen kämpfen."
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