Schweiß auf der Stirn von Finanzchefs

6. Dezember 2004, 12:07
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Ein Investkredit-Workshop in Kooperation mit dem Standard zeigte Möglichkeiten für heimische Unternehmen, wie sie die wachsenden Zins- und Währungsrisiken managen können

Lustenau - Der Euro hat sich seit 2001 um 50 Prozent verteuert. Nicht, weil die Wirtschaft im Euroland so stark ist, sondern weil die USA mit ihren Rekorddefiziten im Außenhandel und im Budget einen schwächeren Greenback brauchen.

Das dämmt zwar die in Dollar abgerechneten hohen Rohstoffpreise für europäische Unternehmen ein, ist aber bitter für europäische Exporteure. Da sich die asiatischen Notenbanken mit Dollarkäufen massiv gegen eine Aufwertung ihrer Währungen gestemmt haben um ihre Dollarexportmärkte nicht zu gefährden, blieb der Euro das Ventil im Währungsgefüge.

Europäer müssen Last der Dollarabwertung tragen

Die Europäer beschweren sich auch, dass sie die Last der Dollarabwertung tragen müssen. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank hat zuletzt Verbalinterventionen versucht und die Dollarabwertung "brutal und höchst unwillkommen" genannt.

Der Harvard-Ökonom und frühere Researchleiter des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, räumt dem Dollar noch ein handelgewichtetes Abwertungspotenzial von bis zu 40 Prozent ein.

Den Treasurern in Unternehmen treibt das den Schweiß auf die Stirn - sie sind ja für die Absicherung von Währungs- und Zinsrisiken verantwortlich. Das machen sie mit Derivaten, setzen Devisentermingeschäfte oder Optionen ein, tauschen unterschiedliche Zinsniveaus aus.

Investkredit-Workshop

Welche Palette an Instrumenten dabei aktuell zur Verfügung steht, war Thema eines Investkredit-Workshops in Kooperation mit dem STANDARD in Lustenau beim Klima- und Heizspezialisten Bösch - ein Vorarlberger Herzeigefamilienbetrieb mit 77 Mio. Euro Umsatz und 600 Mitarbeitern. Bösch-Geschäftsleiter Robert Janschek illustrierte am Beispiel Porsche, was Treasury für die Bilanz bewirken kann: Von einer Mrd. Euro Gewinn, so Janschek, entfielen 700 Mio. auf die Bewertung von Termingeschäften. 300 Mio. stammten aus dem operativen Geschäft.

Gerhard Humpeler, Finanzchef beim Beschlägehersteller Blum, der ein Viertel der 94 Mio. Euro Umsatz in den USA macht, formulierte die Herausforderung: "Umsätze für die nächsten Jahre sichern und unterschiedliche Zahlungsströme managen".

Dies auch vor dem Hintergrund steigender Zinsen, so Humpeler, der am Beispiel eines Zinsswap, Tauschen hoher fixer Kreditzinsen innerhalb eines sinkenden Zinsumfelds auf variable Zinsen, den Einsatz solcher Instrumente bei Blum illustrierte.

Methodisches Risikomanagement

Grundlage, so Alexandra Lauffer-Köpplinger, Kundenbetreuerin der Investkredit in solchen Fragen, sei methodisches Risikomanagement - Erkennen und Bewerten der Risiken im Unternehmen. Das geschieht mit komplexen Formeln, die, so wie die dann eingesetzten Instrumente, sehr beratungsintensiv seien.

Vorbehalte gegen oft mit dem Image von "Teufelszeug" behafteten Derivaten sieht Manfred Stagl, Treasurer in der Investkredit, schwinden. "Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Nichteinsatz solcher Instrumente gefährlich ist."

Er verweist auf gewaltige Schwankungen selbst innerhalb eines erkennbaren Trends und nimmt wieder den Dollar als Beispiel, der sich heuer zum Euro zwischen 1,17 und 1,30 bewegt hat. (Karin Bauer, DER STANDARD Printausgabe, 18.11.2004)

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