17.11.: Verleger planen Gegenanthologie

8. Februar 2005, 12:51
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Eine Alternative zu Günther Nennings "Landvermessung" präsentieren sechs Verlage

Wien – Die Idee stammt von Günther Nenning: Als der Ueberreuter Verlag die Edition der "Landvermessung" (= Ex-"Austrokoffer"), jener von Nenning zum Jubeljahr 2005 geplanten Anthologie österreichischer Literatur seit 1945, zurücklegte, regte der die Gründung eines "patriotischen Verlagsverbunds" zugunsten seines Projekts an.

Einen solchen Verlagsverbund soll es nun tatsächlich geben. Auch das Projekt einer gemeinsam edierten Anthologie. Allerdings nicht der "Landvermessung". Und nicht mit Nenning: Eine Arbeitssitzung von sechs Verlagen (Czernin, Haymon, Otto Müller, Picus, Residenz, Wieser) zum Thema "Landvermessung" kam zu dem klaren Ergebnis: Die "einzige Realisierungschance" einer solchen Anthologie liege "in einem vollständigen Neustart" des Projekts. Weshalb man übereinkam, ein neues, unabhängiges Konzept vorzulegen. In rund zehn Tagen will man ein solches präsentieren. Dann liegt es an den Subventionsgebern, sich zu entscheiden.

Als Hauptgrund für das Gegenprojekt nennt Verleger Lojze Wieser die "durchgehende Unprofessionalität auf allen Ebenen" in der Planung der "Landvermessung". Etwa das Fehlen einheitlicher Lizenzverträge, die eine gleichmäßige, faire Bezahlung der Autoren garantierten. Stattdessen würden jedem Verleger andere Preise zugesagt. Ihm selbst habe man für Romane von Marie-Thérèse Kerschbaumer und Florjan Lipus je 4000 Euro geboten, Otto Müller für Milo Dor nur 3000 Euro, Haymon für den Abdruck eines Romans von Felix Mitterer 2000 Euro.

Günther Nenning hingegen sieht die "Landvermessung" gedeihen. Die Autorenrechte kämen "wie Regentropfen", das digitale Manuskript sei zu fünfzig Prozent fertig.

Im Bundeskanzleramt wartet man indessen ab. Eine Subventionszusage für die "Landvermessung" hänge davon ab, ob es Nenning und Co. gelinge, eine repräsentative Auswahl von Autoren zu versammeln. Über die Pläne der sechs Verleger wurde man noch nicht näher informiert.

Eine merkwürdige Doppelrolle spielt der Residenz Verlag. Herwig Bitsche hält sich beide Optionen offen: die Mitwirkung am Verlegerprojekt als auch die Alleinherausgabe der "Landvermessung".
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.11.2004)

Von
Cornelia Niedermeier
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