"Die Kamera ist ein Körperteil"

8. Februar 2005, 19:14
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Peter Lindbergh, der deutsche Starfotograf und Liebling vieler Models wird 60 und denkt nicht ans Aufhören

Er ist der wohl renommierteste und gefragteste Starfotograf der Welt - doch Star-Allüren sind ihm bis heute fremd. Er fotografiert für renommierte Magazine und berühmte Modedesigner - doch er selbst macht sich eigentlich nichts aus Mode. Peter Lindbergh feiert am 23. November seinen 60. Geburtstag. Ein Mann, von dem gesagt wird, er sei trotz seines Erfolgs stets auf dem Boden geblieben. Dabei hatte er sie alle vor seiner Linse: die Supermodels Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Naomi Campbell oder Linda Evangelista, den Schauspieler Brad Pitt und Rockstars wie Tina Turner oder Madonna.

Seit Jahren gilt der Deutsche als Lieblingsfotograf vieler Models - wegen seiner Natürlichkeit, Offenheit und Fröhlichkeit. Nadja Auermann mutmaßte einmal, er habe wohl "als Kind die Sonne verschluckt". "Stimmt - schlechte Laune ist eine Art Zeitverschwendung", sagt Lindbergh im Gespräch. Er habe aber auch keinen Grund, sich über irgendetwas in seinem Leben aufzuregen. "Ich habe wirklich sehr viel Glück gehabt", meint er bescheiden.

Lindberghs Fotos sind keine künstlichen, glamourösen Modeaufnahmen. Viele wirken wie Reportagefotos und bestechen durch eine manchmal düstere, aber stets beeindruckende Atmosphäre und Ästhetik. Manche erscheinen fast surreal. "Ich erzähle mit meinen Fotos gerne Geschichten", sagt Lindbergh. Deshalb fotografierte er Amber Valletta als Engel auf dem New Yorker Times Square oder Linda Evangelista vor einer riesigen Turbine. Oder Helena Christensen mit einem "Marsmännchen" an der Seite mitten in der kalifornischen Wüste - eines seiner Lieblingsfotos, erzählt Lindbergh, der am liebsten schwarz-weiß fotografiert. Und am liebsten mit seiner kleinen 35-Millimeter-Kamera. "Mit der ist man schnell", erklärt er.

Ihm kommt es auch nicht auf geschminkte Schönheit an. "Ein Foto muss die Persönlichkeit eines Menschen zeigen", sagt er. "Das ist das Interessante." Mode-Guru Karl Lagerfeld schrieb einmal über Lindberghs Fotos: "Die Mode spielt darin nie die Hauptrolle."

Peter Lindbergh wurde am 23. November 1944 als Peter Brodbeck in Lissa an der polnischen Grenze geboren. Aufgewachsen in Duisburg-Rheinhausen, machte er eine Lehre als Schaufensterdekorateur, belegte später einen Abendkurs in Zeichnen an der Kunsthochschule in Berlin und studierte freie Malerei in Krefeld. Zum Fotografieren kam er mehr oder weniger durch Zufall und erst relativ spät: Mit 27 begann er eine zweijährige Ausbildung beim deutschen Fotografen Hans Lux, anschließend machte er sich selbstständig. Fünf Jahre später, 1978, brachte eine viel beachtete Fotoserie im "Stern" den Durchbruch.

Heute pendelt Lindbergh zwischen Los Angeles, Paris, New York, ist auf der ganzen Welt unterwegs. Er hat mit fast allen berühmten Modedesignern der Welt zusammengearbeitet und deren Kollektionen fotografiert, darunter Giorgio Armani, Jil Sander, Prada oder Calvin Klein. Seine Fotos waren in Ausstellungen zu sehen, erschienen etwa in den Magazinen "Vogue" und "Harper's Bazaar" oder in seinen eigenen Fotobänden, wie "Images of Women" oder "10 Women". Inzwischen schlummern 150 000 Filme in seinem Archiv, schätzt der Fotograf, für den seine Kamera auch längst mehr ist als nur ein Arbeitsinstrument. "Die Kamera ist sozusagen ein Körperteil von mir", sagt er. Vielleicht merkt er es deshalb beim Fotografieren auch sofort, wenn ein Bild richtig gut wird. "Das weiß man immer sofort beim Auslösen."

Ans Aufhören denkt Lindbergh derzeit nicht. "Eigentlich dachte ich, das würde sich einmal von selbst erübrigen, weil man irgendwann sowieso nichts mehr von mir will", sagt er. Derzeit sei die Nachfrage aber enorm, und die Dinge, die er machen dürfe, seien herausfordernd und interessant. Jetzt müsse er die Entscheidung wohl irgendwann selbst treffen. "Vielleicht falle ich in vielen Jahren mitten in der Wüste mit der Kamera in der Hand tot um", sagt Lindbergh. Er stelle es sich aber schön vor, mit 65 oder 70 einfach aufzuhören. "Dann könnte ich mal darüber nachdenken, was mir alles so passiert ist im Leben und warum. Das wäre eigentlich mein Traum." (APA)

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