Flexibel, flexibler, Unternehmerin

6. Dezember 2004, 11:59
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Immer mehr Mütter gründen ihr eigenes Unternehmen

Teilzeitjobs als Angestellte nach der Karenz bedeuten oft das berufliche Abstellgleis. Junge Mütter fordern mehr Unterstützung, um die Doppelbelastung Kind und eigenes Business besser zu meistern.

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Zwei Drittel der Wiener Unternehmerinnen sind Mütter, und davon haben sich wiederum zwei Drittel erst nach der Geburt ihrer Kinder selbstständig gemacht, so eine Studie, die vom Sora Institute for Social Research and Analysis im Auftrag des Wiener Wirtschaftsverbandes Anfang des Jahres erstellt wurde. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, meint Caroline Wohlgemuth, die 1999 ihr eigenes Unternehmen Contentfabrik gründete. "Die Selbstständigkeit ist die beste Lösung, wenn man mit Kindern einen interessanten Beruf haben will. Als Angestellte kann man nach der Karenz nur Teilzeitjobs annehmen, da ist es schwer, was Interessantes zu finden."

Büro- und Wohnungstür liegen einander gegenüber, nur so schafft die 30-jährige Mutter eines Zweijährigen und eines sechs Wochen alten Babys den Spagat zwischen Arbeit und Familie. Wie Wohlgemuth arbeitet die Hälfte der Wiener Unternehmerinnen nach der Geburt ohne Unterbrechung weiter, zwei Drittel der betreuen die Kinder während der Arbeit oft selbst, belegt die Studie weiter. "Die schwierigste Zeit ist, wenn die Kinder ganz klein sind, da muss man sehr flexibel arbeiten."

Steuerliche Vorteile

Um diese Doppelbelastung zu erleichtern, fordert der Wirtschaftsverband Wien steuerliche Erleichterungen für die Kinderbetreuung sowie die Einrichtung von Kinderbetreuungsstätten für Selbstständige, erklärt Fritz Strobl, Präsident des WV Wien. Da die Wirtschaftskammer diese Forderungen bisher nicht annahm, arbeitet der WV Wien derzeit an einem Pilotprojekt, um ein lokales Netzwerk von flexiblen Tagesmüttern zu organisieren, das zum Vorbild für Österreich werden soll, so Strobl.

Networking ist für selbstständige Mütter unerlässlich, weiß auch Michaela Stockinger, Mutter eines Sohnes, die 2000 eine PR-Agentur gründete. Die größte Hilfe sei ein persönliches Netzwerk aus Familie und FreundInnen, die flexibel einsetzbar sind. Hat man das nicht, müssen mehr Tagesmütter her, dafür hat sie selbst zuweilen 20 Prozent ihres Verdienstes ausgeben. Initiativen wie der vom Land Niederösterreich geförderte Oma-Opa-Dienst hält sie für vorbildlich. Auch beruflich sollten sich selbstständige Mütter untereinander bewusst besser vernetzen. (DER STANDARD, Printausgabe 17.11.2004)

Von Nadja Hahn

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