Was dem Mittelstand gut tut

6. April 2005, 17:04
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Um Klein- und Mittelbetriebe zu fördern, hat die EU vor vier Jahren eine Charta ausverhandelt. Auf ihrer Basis wurden in Österreich einige Initiativen gestartet, die bis heute viel versprechend laufen

Aufgrund der steigenden Zahl von Neugründungen werden Klein- und Mittelbetriebe (KMU) für den Arbeitsmarkt immer interessanter. Größere Unternehmen haben in den letzten zehn Jahren insgesamt Arbeitsplätze abgebaut, KMUs haben notwendigerweise neue geschaffen. Der Mittelstand ist eine wichtige dynamische wirtschaftliche Kraft in Österreich geworden.

Die Basis dafür wurde schon vor vier Jahren durch die Europäische Charta für Kleinunternehmen geschaffen. Die KMU-Charta fordert Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Mittelstand. Die Charta besteht aus insgesamt zehn Aktionslinien (siehe Grafik), sie reichen von der Erziehung und Ausbildung zu unternehmerischer Initiative bereits bei Jugendlichen und Kindern über billigere und schnellere Neugründungen, bessere Rechts- und Verwaltungsvorschriften bis zur Forderung, im Steuer- und Finanzwesen Verbesserungen für KMUs vorzunehmen. Zur Umsetzung dieser Aktionslinien wurde das Mehrjahresprogramm der EU für Unternehmen und unternehmerische Initiativen aufgelegt (2001-2005).

Positive Akzente gesetzt

In Österreich sind auf Basis der KMU-Charta eine Reihe positiver Akzente gesetzt worden, initiiert vom Wirtschaftsministerium. Einige Beispiele: Im Bildungsbereich wurden alle Sekundarstufe-II-Schulen mit dem Medienpaket "Entrepreneurship Education als schulische Innovation" ausgestattet, sodass Schüler schon eine Ahnung von Unternehmensgründungen haben. Übungsfirmen sind im berufsbildenden Schulwesen ein wichtiger Teil des Lehrplans geworden, im Rahmen von Miniunternehmen gründen Jugendliche jährlich Unternehmen an Schulen, und der Modellversuch der Schumpeter-Handelsakademie wurde bereits über die Grenzen Österreichs hinaus für seinen Ansatz äußerst positiv bewertet.

  • Beim Abbau der Gründungsformalitäten sind eine Reihe von Erleichterungen umgesetzt worden, eine Neugründung geht heute in Österreich in rund sechs Tagen über die Bühne. Die Gewerbeanmeldung kann online über help.gv.at abgewickelt werden. Ein ungewöhnlicher, aber sehr interessanter Ansatz wird von der Internetplattform "Unternehmen in Not" verfolgt. Erfahrungsberichte sollen helfen, bereits frühzeitig Fehler zu vermeiden. Bei den Verbesserungen der Rechts- und Verwaltungsvorschriften sind die Änderungen im Insolvenzrecht - Konkurs stellt keinen Gewerbeausschließungsgrund mehr dar - und die aktuelle Diskussion des Unternehmensrecht hervorzuheben. Für die Förderung der Fertigkeiten von Unternehmensgründern besteht ein Vielzahl an verschiedenen Programmen, diese reichen von Beratungsangeboten bis zur Fortbildung - hervorzuheben ist das Programm des Arbeitsmarktservices AMS mit seiner Gründungsbeihilfe und die Weiterbildungsdatenbank sowie die Kurse des Wifi und am BFI. Verschiedene Institutionen und Universitäten führen Businessplan-Wettbewerbe durch und verknüpfen sie mit umfangreichen Beratungsprozessen.

    - Die Zahl der österreichischen Unternehmen mit Onlinezugang ist in den letzten Jahren stark gestiegen, von 84 Prozent im Jahr 2001 auf 94 Prozent im Jahr 2004. Immerhin 71 Prozent haben eine eigene Website. Die Existenz einer eigenen Website hängt allerdings stark von der Größe des Unternehmens ab. 95 Prozent der Großunternehmen und nur 67 Prozent der Kleinunternehmen haben einen eigenen Internetauftritt. Der elektronische Handel bietet gerade KMUs viele Möglichkeiten. Die Umsätze im Bereich Internetverkäufe steigen weiterhin stark, die Konkurrenzsituation wird aber immer härter. Das österreichische E-Commerce-Gütezeichen wurde für seine transparente Art der Beschilderung des elektronischen Schaufensters bei einem europaweiten Vergleich als beste Initiative bewertet.

    - Die Aktionslinie Finanzwesen spricht den sehr heiklen Punkt der Finanzierung an. Die Finanzierung zählt zu den größten Stolpersteinen bei Neugründungen, aber auch bei bestehenden Unternehmen.

    Das Austrian Wirtschaftsservice (kurz AWS) bietet verschiedene Angebote zur Unterstützung an. Interessant ist das seit einigen Jahren bestehende Gründersparen als Unterstützung für den Aufbau von Eigenkapital. Für die Stärkung des technologischen Potenzials von Klein- und Mittelbetrieben wurden unter anderem die Technologietransferprojekte protec 2002+ ausgerichtet. Über die europaweiten Aktivitäten zur Förderung der KMUs gibt es Berichte auf der EU-Kommission-Website "Ein unternehmerisches Europa schaffen" oder das Grünbuch "Unternehmergeist in Europa". (Johannes Lindner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2004)

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      grafik: der standard
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