Spiralförmiger Weg zur ersten Frauenbank

6. Dezember 2004, 11:42
22 Postings

Münchner Frauenvermögens-
-Verwaltung AG peilt Banklizenz für 2006 an

München - Die Münchner Frauenvermögensverwaltung AG will unzufriedene Bankkundinnen besser bedienen. Eine Bank für besondere Bedürfnisse: Im Empfang findet sich keine kühl-schmucke Schalterhalle - stattdessen ein freundliches Ambiente mit gemütlichen Sitzgruppen. Hier kann eine Frau freimütig über Berufswege und Lebenspläne berichten. Die kundige Beraterin nickt verständnisvoll. Sie kennt die passende finanzielle Vorsorge. Denn sie geht auf die komplizierten Lebenslagen ihrer Kundinnen ein. Noch ist dieses Szenario eine Vision.

Doch seit im Oktober in München die Frauenvermögensverwaltung AG, kurz FrauenVermögen, den Betrieb aufgenommen hat, ist der erste Schritt getan. "Mit unserer umsichtigen Finanzberatung werden wir viele Kundinnen gewinnen", glaubt die Vorstandsvorsitzende Astrid Hastreiter. "Wenn wir damit eine solide Basis aufgebaut haben, schaffen wir auch die Banklizenz, vielleicht schon 2006." Dann soll es von Frauen für Frauen nicht nur Geldanlageberatung geben, sondern auch Kredite und Onlinebanking.

Was hat Geldanlage mit dem Geschlecht zu tun? Antwort hält eine von FrauenVermögen veranlasste Marktstudie bereit: Viele Frauen seien mit dem gängigen Beratungsangebot unzufrieden. Offenbar fühlen sie sich bei traditionellen Banken nicht ernst genommen. "Um gut beraten zu sein, muss die Klientin ja viel vom eigenen Leben erzählen", erklärt Hastreiter, "das ist eine intime Situation." Wenn schon zur Offenheit gezwungen, verlangten Frauen im Beratungsgespräch ein wertschätzendes Gegenüber. Bald will man auch prominente Unterstützerinnen präsentieren, die die Idee ins öffentliche Bewusstsein hieven.

Einfühlungsvermögen

Die 40-jährige Diplominformatikerin Hastreiter hat ein fünfzehnköpfiges Team zusammen, freiberufliche Finanzexpertinnen, die auch in anderen Städten ihre Dienste anbieten. Alle verfügten über das nötige Einfühlungsvermögen, beteuert Hastreiter. Für vertrauliche Stimmung sorgt bereits der Raum, in dem die meisten Gespräche stattfinden: Mit dem großen alten Tisch in der Mitte gleicht es mehr dem Esszimmer einer Großfamilie als einem Büro. Die Glaubwürdigkeit soll dadurch unterstrichen werden, dass man auf Honorarbasis arbeitet.

Die Kriterien orientieren sich dabei an ethischen Überzeugungen. "Für Frauen ist es eher als für Männer wichtig, für welchen Zweck das Geld arbeitet", behauptet Hastreiter. Neben ökologischen und sozialen Aspekten sei die Rendite zweitrangig. Andererseits richtet sich die Beratung gezielt an den Eigenheiten weiblicher Lebensläufe aus. Frauen unterbrechen wegen Familienphasen oft die Erwerbsarbeit, sind häufiger teilzeitbeschäftigt als Männer und haben daher unregelmäßigere Einkommen. Umstände, die die Beraterinnen besonders berücksichtigen wollen.

Den Unwägbarkeiten entsprechend, werden eher flexible Anlageformen empfohlen. Bislang stellt die Frauenvermögensverwaltung Produkte anderer Anbieter zusammen. Später ist geplant, auch eigene Fonds aufzulegen. Bis zu den avisierten zehn Millionen Euro Eigenkapital für die Bank sei es ein langer Weg, sagt Hastreiter. Wohl wissend um den ersten Anlauf im Jahr 2001, als man sich verhoben hatte: Das Ziel, fünf Millionen Euro einzusammeln, den Mindestbetrag für die volle Banklizenz, wurde weit verfehlt.

Unendlichkeit ohne Esoterik

Der Terror des 11. September kam dazwischen, interne Streitigkeiten taten ein Übriges. 2003 wurden die Gelder wieder zurückgegeben, das Scheitern eingestanden. Von dieser Haltung zeugt jedenfalls die Information über die Genussscheine: Darin werden die Risiken der finanziellen Beteiligung ausführlicher dargestellt als die Chancen. Das Logo zeigt eine violette Spirale. Unendlichkeit vermittle dieses alte Symbol, meint die Vorstandsvorsitzende und betont: "Das hat definitiv nichts mit esoterischen Anwandlungen zu tun."

Um diesen Verdacht zu verscheuchen, hat man das violette Symbol inzwischen mit kühlem Business-Blau umrahmt - eine sonderbare Farbkombination. Strengen Feminismus soll niemand fürchten müssen bei der Münchner FrauenVermögen AG. Männer als Kunden sind willkommen, und schon jetzt gehören Kollegen zum Team. Ganz ohne Kampfansage geht es allerdings doch nicht: Der Bereich Finanzdienstleistungen habe seine Schwäche überwunden, heißt es auf der Internetseite. "Frauen haben noch nicht davon profitiert - wir werden dies ändern." (DER STANDARD, Printausgabe 17.11.2004)

Von Bernd Schüler

Link

Frauenbank
  • Artikelbild
    foto: dabu
Share if you care.