"Mit kühlem Kopf in China investieren"

6. Dezember 2004, 12:07
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Chinas Konjunktur sei nicht überhitzt, versichern Fondsmanager. Sie sehen keine Spekulationsblase voraus und setzen auf Aktien im Banken-, Konsum- und Telekombereich

Wien - China bleibt der Wirtschaftsmotor für Fernost, da sind sich die Finanzexperten einig. Für Privatanleger, die von der größten Volkswirtschaft der Welt profitieren wollen, sei es weder zu spät einzusteigen, noch zu riskant.

Chinas Wirtschaft wuchs 2003 über zehn Prozent, schwächte sich aber im heurigen dritten Quartal auf rund 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab. Seit Monaten wird spekuliert, ob die chinesische Wirtschaft das rasante Wachstum kontrolliert drosseln kann, oder ob es zum Platzen einer Spekulationsblase kommt, da besonders in Immobilien, Bauwirtschaft, Autoindustrie heftig investiert wurde.

Leitzinsen erhöht

Erste Maßnahmen zur Abkühlung der Konjunktur setzte die Regierung durch Preiskontrollen und Einschränkungen bei der Kredit- und Landvergabe. Kürzlich hat China auch erstmals seit neun Jahren die Leitzinsen erhöht. Die Zinsanhebung beeinflusse die Börse nur bedingt, erklärt Tom Elliott, Stratege bei JP Morgan Fleming. In China würden relativ wenig Kredite vergeben und diese würden nicht durch ihren Preis determiniert, sondern durch das Ermessen der kommunistischen Banken. Der Schritt sei eher ein Signal dafür, dass China eine Zentralbank wie in einer funktionierenden Marktwirtschaft etablieren will.

Für Alex Tarver, Asien-Analyst bei Fidelity Investments und Elke Schöppl, Asien-Fondsmanagerin bei Union Investment, zeige der Zinsschritt, dass es die chinesische Regierung mit der Wirtschaft ernst meint. Schöppl erwartet 2005 Anhebungen um weitere ein bis zwei Prozent. Beide halten Wirtschaftswachstumsraten von sieben Prozent für wünschenswert. Der von Schöppl verwaltete UniEM Fernost Fonds hat in den letzten drei Jahren 20 Prozent zugelegt, während der Fidelity China Fonds seit seiner Auflegung im August 2003 36 Prozent an Wert gewann. "In China investiert man über Hongkong", erklärt Schöppl. Der Hang Seng Index, der Schwergewichte wie China Mobile enthält, legte seit Anfang 2003 rund 46 Prozent zu. Der MSCI China Index gewann im selben Zeitraum 73 Prozent.

"Mit Schwankungen rechnen"

In Anbetracht der stabilen Gewinnentwicklung der Unternehmen hält Tarver die Aktien für billig. Anleger sollten mindestens fünf bis sieben Jahre investiert sein und mit Schwankungen rechnen, warnt er und rät zum Kauf von Unternehmen in den Bereichen Versicherung, Logistik, Konsum und der Freizeitindustrie. Letztere könnten besonders von den Olympischen Spielen in Peking 2008 profitieren. Analysten bei AXA Investment Managers erwarten sich von der steigenden Nachfrage nach lokal entwickelten und hergestellten Mobiltelefonen, Computern und anderen elektronischen Geräten Profite. Schöppl setzt auf den positiven Impuls durch die Beteiligung von chinesischen Unternehmen an Fusionen und Akquisitionen im asiatischen Raum, wie etwa im Öl- und Rohstoffsektor.

Wichtigste Indizien für das nachhaltige Wachstum Chinas seien Bevölkerungswachstum und zunehmende Urbanisierung, die somit steigende Binnennachfrage, die wachsende Industrieproduktion, der steigende Anteil Chinas an der Weltproduktion sowie die Tatsache, dass zwei Drittel aller Direktinvestitionen Asiens nach China fließen, so Tarver. Zudem wirken sich niedriger Verschuldungsgrad, Handelsbilanzüberschuss und hohe Währungsreserven positiv aus, ergänzen Analysten von Credit Suisse Asset Management. Dies mache eine Wiederholung der Währungskrise der 90er-Jahre unwahrscheinlich. (Nadja Hahn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2004)

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    China kurbelt die Wirtschaft ganz Asiens an. Hier meißelt ein chinesischer Künstler eine Skulptur des malaysischen Ministerpräsidenten in Alor Gajah, Malaysia.

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