Tierische Spannung

17. Dezember 2004, 15:29
7 Postings

"Wer kriegt mich" auf Puls TV: Zuerst balzen Menschen, dann entscheidet das Tier. Authentisch. Echt. Ungeschminkt ...

Es soll Menschen geben, die behaupten, dass so ein Befehl unausführbar sei. Weil es halt unmöglich ist, keinen - also wirklich gar keinen - Gesichtsausdruck zu zeigen. Trotzdem aber befahl Isabella Richtar ihren beiden Kandidaten, "ab jetzt keine Mimik mehr" zu haben und bat sie, jetzt bitte ganz still zu sitzen. Dann stahl sich die Moderatorin aus dem Raum und dem Bild.

Schließlich würde nun gleich der Hund von der Kette gelassen und auf die beiden mit starrem Blick ("keine Mimik!") und verkrampfter Körperhaltung auf die Sessel geschweißten Kandidaten losgehen. Einen würde er, der Hund, sich aussuchen - und "weil es so schön war" (Richtar, nachdem alles vorüber war), wird die dramatische Szene auch wiederholt. In Zeitlupe. Knallhart.

Doch ach: Es ist nicht das schon im alten Rom beliebte quotenintensive Prinzip der Tier-auf-Menschen-Hatz, das der Wiener Stadt-TV-Sender Puls neuerdings bemüht, um den einen oder anderen Seher zu erreichen. Nicht zähnefletschende Kampfhunde, sondern ein müder Rauhaardackel trabt ins Zimmer. Schwanzwedelnd durchquert er den Raum, springt an einem Kandidaten hoch: So harmlos kann Fernsehen sein. Nicht in den 50er-Jahren hinterm Mond. 2004.

"Wer kriegt mich" heißt die Show, bei der Tiere, so der Sender, sich ihr Herrchen oder Frauchen selbst aussuchen: Zuerst streicheln und balzen Menschen, dann entscheidet sich das Tier. Authentisch. Echt. Ungeschminkt. Fast schon brutal. Nur Testbild-Anschauen ist noch spannender. (rott/DER STANDARD; Printausgabe, 17.11.2004)

  • Artikelbild
    foto: puls tv
Share if you care.