Nordpolarmeer war subtropisch warm

2. Februar 2005, 20:16
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Klimaforscher entdeckten Reste von 55 Millionen Jahre alten Süßwasserpflanzen

Bremen - Im Nordpolarmeer herrschten vor 55 Millionen Jahren subtropische Wassertemperaturen. Zu diesem Ergebnis ist ein internationales Forscherteam bei der Untersuchung neuer Bohrkerne aus der Arktis gekommen. Die Kerne waren im August bei einer geowissenschaftlichen Eisbrecher-Expedition in der Nähe des Nordpols aus bis zu 500 Metern Tiefe unter dem Meeresboden gefördert worden. Dabei seien auch Reste von Süßwasserpflanzen entdeckt, die unter anderem in Reiskulturen vorkommen, berichteten die Wissenschafter aus elf Ländern am Dienstag.

Dies deute darauf hin, dass die gesamte Arktis vor mehr als fünfzig Millionen Jahren ein abgeschlossener gigantischer Süßwassersee war. Andere Funde zeugten von heftigen biologischen Umwälzungen und vom plötzlichen Aussterben vieler Organismen.

Mehr als 200 Wissenschafter und Techniker hatten von August bis Anfang September an der arktischen Bohrexpedition ACEX teilgenommen. Der schwedische Eisbrecher "Odin" und der russische Eisbrecher "Sowetskiy Sojus" operierten dabei als Schutzschild für das Bohrschiff "Vidar Viking". Sie zerkleinerten die driftenden Eisschollen, damit das Bohrschiff ungestört von einer festen Position aus arbeiten konnte.

Vorhersage der Eisdrift

Eine Schlüsselaufgabe bei der sechswöchigen Expedition war die Vorhersage der Eisdrift. Dazu wurden von Hubschraubern aus Messgeräte auf dem Eis abgesetzt, die die Bewegungen der Schollen ständig aufzeichneten und an die Schiffe weitergaben.

Die insgesamt 340 Meter umfassenden Sedimentkerne aus dem arktischen Meeresboden gelten als weltweite Premiere. Bisher existierten nur wenige Meter derartiger Proben. Die Forscher erhoffen sich von der weiteren Auswertung neue Aufschlüsse über die Gründe des Klimawandels vom einstigen Treibhaus hin zum heutigen Kühlhaus Arktis.

Die zehn Millionen Euro teure Expedition ist Teil des internationalen Ozeanbohrprogramms IODP. Daran sind die USA, Japan, Kanada und 14 europäische Nationen beteiligt. (APA)

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IODP

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