Maria Scharapowa ist Masterin

7. Dezember 2004, 12:43
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Trotz 0:4-Rückstand im dritten Satz gegen Serena Williams konnte die Russin die WTA-Championships in Los Angeles noch gewinnen

Los Angeles - Maria Scharapowa hat ein neues Kapitel russischer Tennis-Geschichte geschrieben. 135 Tage nach ihrem Wimbledon-Triumph gewann der blone Jung-Star bei den mit drei Millionen Dollar dotierten WTA-Championships als erste Spielerin ihres Landes auch den Weltmeistertitel. Die erst 17-Jährige bezwang am Montag im Staples Center von Los Angeles in einer Neuauflage des Wimbledon-Finals die durch eine Bauchmuskelverletzung gehandicapte Lokalmatadorin Serena Williams (8) nach 1:46 Stunden 4:6,6:2,6:4.

Als Lohn erhielt Scharapowa neben einem Geländefahrzeug mit einer Millionen Dollar auch den höchsten Siegercheck ihrer Karriere. Das 56.000 Dollar teure Auto will sie verkaufen und das Geld in ihrer Heimat den Hinterbliebenen der Opfer des Terroranschlages auf die Schule in Beslan im September spenden.

"Ich kann es nicht fassen"

"Oh mein Gott, ich bin geschockt, ich kann es nicht fassen. Es ist verrückt", sprudelte es aus der 17-jährigen heraus, deren Emotionen ansonsten eher unterkühlt wirkten. Fünf Spiele innerhalb von fünf Tagen hatten sie geschafft. Als sie nach dem Matchball wie in Trance niedersank, sei sie nur erleichtert gewesen. "Die Saison ist vorbei", schoss es ihr durch den Kopf. "Lasst uns nach Hause gehen. Ich habe mir einen fantastischen Urlaub verdient."

Scharapowa profitierte beim zweiten Sieg im dritten Duell allerdings von einer Blessur ihrer Kontrahentin. Williams ließ sich Ende des zweiten Satzes bandagieren und vor allem im Aufschlag war die Lokalmatadorin in der Folge stark gehandicapt. Dennoch ging die US-Dame dank präziser Grundschläge 4:0 in Führung, doch dann gewann die Russin die nächsten sechs Games, wobei Williams zum 4:4-Ausgleich trotz langsamer Aufschläge gleich drei Doppelfehler beisteuerte.

Beste latzierung für Scharapowa

Durch den fünften Turniersieg in diesem Jahr bzw. den siebenten ihrer Karriere rückte die Russin im WTA-Ranking vom sechsten auf den vierten Rang vor, was ihre bisher beste Platzierung bedeutet. Insgesamt verbesserte sich die 1,83 m große Spielerin heuer dank ihren knallharten Aufschlägen und Grundlinienbällen um 28 Ränge, Ende 2002 war sie noch an 186. Stelle gelegen.

Die aus Sotschi am Schwarzen Meer stammende Scharapowa, die mit vier Jahren mit Tennis begonnen hatte und im Alter von sieben Jahren mit ihrem Vater und Coach Juri Scharapow zu Nick Bollettieri nach Bradenton in Florida übersiedelte, blickt auf ein außergewöhnliches Jahr zurück. Neben den Siegen in Wimbledon und beim Masters entschied sie in diesem Jahr auch die Turniere in Birmingham, Seoul und Tokio für sich.

Serena Williams ("Ich hatte eine gute Chance auf den Titel") war natürlich enttäuscht, dass sie unter diesen Umständen an ihrem früheren Wohnort verloren hatte. Bereits im ersten Game hatte sie ein Stechen in der linken unteren Bauchhälfte gespürt, dann wurden die Schmerzen immer schlimmer. Vergebens legte sie den Spielpausen Eisbeutel auf die lädierte Stelle. Einer genauen Diagnose unterzog sie sich erst am nächsten Tag, sie vermutete einen Muskelfaserriss. (APA/dpa/SIZ/Reuters)

  • Maria Scharapowa ließ Serena Williams wieder als Verliererin stehen.

    Maria Scharapowa ließ Serena Williams wieder als Verliererin stehen.

  • Die Unterlegene musste während des Spiels behandelt werden.

    Die Unterlegene musste während des Spiels behandelt werden.

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