"Ich lächle über die Aktionäre"

25. Februar 2005, 10:29
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Die Familie Schwarzenberg zählt zu den größten privaten Waldbesitzern - Auch in fürstlichen Wäldern mussten die Forstbetriebe abgespeckt werden

Die Schmalspurbahn schlängelt sich den Lauf der Mur entlang. Generationen von Schülern brachte die drollige Murtalbahn aus dem steirischen Bezirk Murau nach Tamsweg ins dortige Salzburger Gymnasium. Der Bummelzug macht auch heute noch auf dem Weg in den Lungau Halt in Ramingstein - dort wo sich die Füchse gute Nacht sagen.

Die Mur präsentiert sich hier noch in einer rauschenden Qualität. Schmucke, museale Bauerhöfe kleben an den Talhängen und mitten im Ort thront das Forsthaus der Schwarzenbergs. Nur die auf die nahe Felsnase hindrapierte Burg Finstergrün der evangelischen Kirche stiehlt dem fürstlichen Sitz die Show. "Dem Kaiser haben wir 's abgekauft, das Schlössl", schmunzelt "Erbprinz" Johannes Schwarzenberg, "Geld hat er 'braucht, damals im Krieg".

"Die ganze Klimakatastrophe"

Wir arbeiten uns mit dem Geländewagen durch den Forst hoch zur ersten Lichtung. "Hier heroben", weist der junge Schwarzenberg ins späte Sonnenlicht, "hier oben zeigt sich die ganze Klimakatastrophe". Ein paar dünne Lärchenstipfel ragen aus dem kahlen Hang. 2002 hat der Sturm hier 40 Prozent des Waldes umgelegt. "Der Klimawandel. Durch das Urassen der Konsumgesellschaft haben wir eine auf den Deckel bekommen.", zieht Johannes Schwarzenberg - ganz in der Manier seines Vaters Karl Schwarzenberg - bedächtig an der Pfeife. Aber auch damit müsse ein Forstwirt leben. Wie mit dem schwierigen Holzmarkt, der auch die Schwarzenbergs - mit rund 19.000 Hektar Wald eine der größten österreichischen privaten Forstbesitzer - etwas kleiner treten lasse. Die Säge wurde zugesperrt, Personal reduziert, Schlägerarbeiten ausgelagert.

Der Besitz teilt sich auf die steirischen Reviere Turrach, Paal, Murau-Katsch sowie Ramingstein-Bundschuh in Salzburg. Eine Nummer größer als die Schwarzenbergs ist hier der steirische Forstbetrieb Mayr-Melnhof-Saurau mit 27.400 Hektar Wald. Zum Kreise des österreichischen Wald-"Hochadels" zählen auch die Fürst Esterhazy'schen Privatstiftungen mit rund 14.000 Hektar, das Habsburg-Lothringen'sche Gut Persenbeug (12.700 ha), die Hoyo'schen Forstgüter (14.500 ha) und ebenso die Familie des VP-Politikers Vinzenz Liechtensteins in Waldstein mit 4500 Hektar.

Ernst-August von Hannover ist Waldbesitzer

Auch die Fürstenfamilie von Monaco ist mit Schwiegersohn Ernst-August von Hannover in Oberösterreich über die Herzog-von-Cumberland-Stiftung mit 4700 ha in Besitz heimischen Waldes. Die tatsächlichen Grund- und Bodenbesitzungen des "Waldadels" übersteigen freilich um das Vielfache den reinen Forstbesitz. Zum Größenvergleich: Bereits 100 bis 300 ha Waldbesitz bieten ein einträgliches Leben.

Schwarzenberg: "Früher, da haben wir groß im Schloss Murau gewohnt. Dass wir jetzt ständig drinnen leben könnten, das gibt der Betrieb nicht mehr her. Ich wohn in einer normalen Wohnung in der Forstverwaltung Turrach."

Nicht immer der brutale Kapitalist

In den besten Zeiten zählte der Forstbetrieb rund 140 Mitarbeiter. Heute ist es eine Hand voll. Arbeiter sind kaum noch darunter. Schwarzenberg: "Das ist ein Auslaufmodell, das wir aus sozialen Gründen noch behalten. Die meisten Forstbetriebe haben keine Arbeiter mehr. Wir kündigen die Alten aber nicht mehr. Ich kann ja nicht einen Fünfzigjährigen vors Nichts stellen, nicht? Da haben wir noch eine Hemmschwelle. Wenn man vor Ort lebt, sieht man es anders. Man ist nicht immer der brutale Kapitalist der man eigentlich sein sollte. Es ist halt eine Familienforstwirtschaft."

Und diese habe eben auch Nachteile. Es werde nicht auf den schnellen Profit g'schaut, sondern auf nachhaltiges Wirtschaften über Jahrhunderte. Damit "die Enkel der Enkel noch ernten können".

Aber letztlich zähle das Sinnliche, das Arbeiten in Mutter Natur. Schwarzenberg: "Ich lächle ja immer über die kümmerlichen Aktionäre, die einen Bericht lesen müssen und nicht jeden Tag, wie ich, sehen, wie die Bäume wachsen." Die Schönheit des Waldes werfe zum anderen freilich immer weniger ab: "Ich werd ein Viertel des Einkommens meines Vaters haben. Es wird wieder andere Zeiten geben. Ich werde halt bescheidender leben. Eine schöne Frau, ein gutes Essen und ein heißes Bad, was will man mehr?"(Walter Müller, Der Standard, Printausgabe, 16.11.2004)

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