Zuerst Amerika, dann die Steiermark

1. März 2005, 12:24
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Der Zirkus ist in die Krise geschlittert, der Auszug der Boliden aus Europa ist nicht aufzuhalten - Neue Zielgebiete passen ins Red-Bull-Konzept

Wien - Seit gestern ist es offiziell. In einem Firmen-Statement hat Red Bull den Kauf von Jaguar Racing bestätigt. Das Team nimmt, wie der STANDARD berichtete, mit Cosworth-Motoren an der Formel-1-WM 2005 teil. Dietrich Mateschitz, CEO der Red Bull GmbH, drückte seine "große Freude" aus."

Österreich, das 2003 eines eigenen Rennens verlustig ging, feiert damit auf anderem Weg ein Formel-1-Comeback. Der Zeitpunkt des Red-Bull-Einstiegs scheint wohl überlegt. Die Preise für ein Sponsoring sind, wie ein Ex-Mäzen der Financial Times verriet, seit dem Jahr 2000 um dreißig bis fünfzig Prozent gesunken. Die Schumacher-Ferrari-Dominanz wirkte sich negativ aufs Interesse aus, selbst in Deutschland sanken die Einschaltquoten. Und Gerhard Berger meinte jüngst, ohne Kaffeekonsum würde er als TV-Konsument kaum ein Rennen wach überstehen.

Durch das EU-weit per 31. Juli 2005 geltende Tabakwerbeverbot droht Europa, wo zuletzt zehn von 18 Läufen stattfanden, der Verlust etlicher Rennen. Der Hoffnungsmarkt heißt Asien, allein am Persischen Golf entstanden innerhalb eines halben Jahres drei neue Strecken (Bahrain, Dubai, Katar). Neben Bahrain hat Schanghai seine Formel-1-Premiere gefeiert - und in Dubai will Scheich Maktoum Hasher Maktoum al Maktoum, Cousin des Kornprinzen, im Winter 2005/2006 bereits eine eigene, Formel-1-ähnliche Rennserie veranstalten.

Abgeschnürte Luft

Die kleineren Teams fielen und fallen zurück, die größeren Ställe liefern einander mit Budgets von 280 (McLaren-Mercedes), 300 (Ferrari) oder gar 400 Millionen Euro (Toyota) eine Materialschlacht. Doch das Tabakwerbeverbot wird nicht nur den Rennveranstaltern, sondern auch den Teams die Luft abschnüren, noch schießen ihnen Tabakkonzerne jährlich 225 Millionen Dollar zu.

Rennen in Indien (ab 2007) und Südkorea (2009) stehen bevor, neben Dubai haben der Libanon, Libyen, Indonesien und die Philippinen bereits Interesse bekundet. Mexiko, Argentinien sowie Südafrika streben Formel-1-Comebacks an, außerdem plant Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ein zweites Rennen in den USA, Favorit ist New York City.

Auch in den Plänen von Mateschitz spielt Nordamerika, wo Red Bull expandieren will, eine große Rolle - eine größere jedenfalls als Asien, wo es seinen Energydrink schon gab, bevor er ihn neu erfand.

In Spielberg, wo Red Bull den A1-Ring betreibt, will sich Mateschitz von Bürgerinitiativen, Anzeigen und Einsprüchen gegen eine positive Umweltverträglichkeitsprüfung nicht irritieren lassen. Der Bau einer Motorsport- und Flugakademie sowie der Umbau von Strecke und Tribünen soll 2006 beginnen. Mateschitz will mehr als 600 Millionen Euro investieren, 600 Arbeitsplätze schaffen und "ein Motorsport-Mekka realisieren". Am Ende holt der gebürtige Steirer noch die Formel-1-WM zurück. "Trotz der vielen neuen Märkte." (DER STANDARD, Printausgabe 16. Novembver 2004, Fritz Neumann)

  • Das geht schnell: die Boliden werden bereits umlackiert.

    Das geht schnell: die Boliden werden bereits umlackiert.

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