USA: Proteste gegen Film über Sexualforscher Kinsey

6. Dezember 2004, 12:22
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Bahnbrechende "Kinsey-Reports" aus den 1950ern sind Konservativen nach wie vor ein Dorn im Auge

Washington - Unter Protesten von konservativen Gruppen ist am Wochenende in New York und Los Angeles der Film "Kinsey" über Leben und Werk des amerikanischen Sexualforschers Alfred Kinsey (1894 - 1956) angelaufen. Unter der Regie von Bill Condon zeigt Liam Neeson als Hauptdarsteller, wie sich Professor Kinsey vom Insektenforscher an der Universität von Indiana zum weltbekannten Forscher über die menschliche Sexualität entwickelt.

Hauptwerke

Kinseys Hauptwerke "Sexual Behavior in the Human Male" (1948) und "Sexual Behavior in the Human Female" (1953), basierend auf tausenden Interviews, haben die Einstellung und das Wissen über sexuelles Verhalten nicht nur in den USA entscheidend mitgeprägt. Der "Kinsey-Report" hat die bis dahin herrschende Vorstellungen, etwa von ehelicher Treue und Masturbation erschüttert. Ebenfalls wurde die bis dahin meist angenommene Gegensätzlichkeit von Hetero- und Homosexualität durch die "Kinsey-Skala", auf der ein fließender Übergang zwischen beiden Polen registriert wurde, in Frage gestellt.

Vergleiche mit Nazi-Doktor

Robert Knight, Direktor des "Concerned Women for America Culture and Family Institute" verglich Kinsey in einem Associated Press-Interview mit dem Nazi-Doktor Josef Mengele, der im KZ Auschwitz tödliche Experimente an Menschen durchgeführt hatte. Nach Protesten von Holocaust-Opfern zog Knight den Vergleich zurück, wirft Kinsey jedoch weiterhin "Verbrechen" vor. Konservative Gruppen haben Proteste vor Kinos angekündigt, die den Film zeigen wollen.

Condon entgegnete den KritikerInnen seines Films, sie wollten die Zeit um 50 Jahre zurückdrehen: "Kinsey hat das Leben von uns allen berührt, und ich hoffe dass dieser Film ein bisschen Platz zum Atmen bekommt, damit die Leute ihn sehen und selber darüber nachdenken können". (APA)

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    Regisseur Bill Condon (li.) mit seinen DarstellerInnen Liam Neeson, Laura Linney und Peter Sarsgaard (re.)
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