"Produktives Altern ist wichtig"

18. Februar 2005, 14:39
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"AMS Expert Talk": Personalrecruiting in harten wirtschaftlichen Zeiten, altersgerechte Arbeitswelt, Eingliederung ältere Arbeitnehmer, ...

"Unsere Gesellschaft wird immer älter. Laut den demografischen Prognosen wird die Gruppe der 40- bis 64-Jährigen in sechs Jahren mit mehr als 50 Prozent bereits die Mehrheit des Arbeitskräftepotenzials bilden", stellte der Vorstandsvorsitzende des Arbeitsmarktservice Österreich, Herbert Böhm, gleich zu Beginn des "AMS Expert Talk" mit KARRIERENSTANDARD-Chefin Johanna Zugmann fest. Für Böhm steht fest, dass der Wandel in der Altersstruktur ein Umdenken im Personalmanagement zur Folge haben muss. "Daher ist ,produktives Altern' wichtig. Was ältere Arbeitnehmer auszeichnen sollte, ist praxisrelevantes Wissen."

Für Thomas Klein, Personalleiter beim Halbleiterhersteller Infineon in Kärnten, ist die permanente Weiterbildung ein "Must". Aus diesem Grund führt er mehrmals im Jahr Gespräche mit allen Mitarbeitern: "42 Prozent unserer Forschungscrew sind älter als 40 Jahre - wir setzen uns daher jedes Jahr zum Ziel, ihnen so viele Zusatzqualifikationen und Kurse zu ermöglichen wie nur irgend möglich."

Alois Deutschmann, Geschäftsführer der Movement Personal- und Unternehmensberatung, sieht in den Vorurteilen gegenüber älteren Mitarbeitern nichts Neues: "Schon vor 20 Jahren hat man gedacht, es sei vernünftiger, mehr jüngere Angestellte zu haben. Die Unternehmen haben verlernt, mit älteren Arbeitnehmern zu arbeiten." Er zitiert die Beispiele Schwedens und Finnlands. Während in Schweden bereits 68,8 Prozent der Unternehmen ältere Mitarbeiter beschäftigen und in Finnland 40 Projekte in die Richtung gehen, sind es in Österreich erst 30 Prozent der Firmen.

Der Personalverantwortliche der Süß & Sauer Food & Beverage Service GmbH, Gerhard Riedl, hat bereits drei über 50-jährige Mitarbeiter engagiert und einen Langzeitarbeitslosen: "Bei uns haben die Älteren eine Mentorenfunktion für die Jungen. Das ist unser Erfolgsmodell." (Der Standard, Printausgabe 13./14.11.2004)

Von Judith Grohmann
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