Dividendentitel: Die Renaissance der "alten Werte"

24. Mai 2005, 18:00
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Die Suche nach konstant hohen Ausschüttungen bringt Mehrperformance

Vorsichtige Aktieninvestoren haben immer schon auf die Ausschüttungspolitik ihrer Unternehmen geschaut und sich Titel ins Depot geholt und sich so vier, fünf Prozent laufendes Einkommen gesichert. Ist dann auch noch der Kurs gestiegen, dann war das fein, aber nicht Hauptgrund für den Aktienkauf.

In den Zeiten der zweistelligen Kurswertsteigerungen Ende der 90er-Jahre ist diese Anlagestrategie sehr zurückgedrängt worden. Klar, wer schaut schon auf die Dividendenrendite, wenn die Aktie selbst wie eine Rakete abfahren könnte und Ausschüttungen bei den Unternehmen selbst aus der Mode kommen oder ihre Gewinne respektive ihr operativer Cashflow solche gar nicht zulässt.

Renaissance

"Wir sehen derzeit wieder eine Renaissance der Dividende", sagt Franz Bartmann, Österreich-Chef der deutschen Fondsgesellschaft DWS. "Im langfristigen Durchschnitt stammt rund die Hälfte der Aktienerträge aus Dividenden, das rückt diese in Zeiten unklarer Börsentrends und großer Unsicherheit über die Kursentwicklungen wieder in den Vordergrund."

Seit Jahresbeginn sind dem DWS-Dividendenfonds über 600 Mio. Euro Anlegergeld zugeflossen. Mit einem Ertrag von 36,4 Prozent liegt er auf Platz eins aller globalen Dividendenfonds, besagt eine Studie von e-fundresearch auf Basis der Fondsdatenbank Lipper.

Wie die Fondstabelle zeigt, liegen globale Dividendenfonds mehr als vier Prozent über der Entwicklung des Weltaktienindex MSCI. Das verdanken sie überwiegend der Basisrendite aus den laufenden Dividenden ihrer Unternehmen. Dazu weisen Dividendenfonds aufgrund ihrer defensiven Ausrichtung geringere Schwankungen auf als herkömmliche Aktienfonds.

Produkte sprießen

Dass die Dividenden-Renaissance die Produktschmieden auf den Plan ruft, zeigt die Marktbeobachtung von e-fundresearch: Heuer neu auf den Markt gekommen sind ADIG Selection Dividende, FT Euro High Dividend oder etwa HSBC GIF Pan European Equity High Dividend. Verschiedene andere Produkte, etwa von Henderson, sind demnach in der Pipeline.

DWS, nach eigenen Angaben mit zusammen 132 Mrd. verwaltetem Anlegergeld Europa größte Fondsgesellschaft, hat für ihren globalen Dividendenfonds in 18 Monaten rund 1,6 Mrd. Euro eingesammelt. Im August ist ein auf Europa fokussiertes Schwesternprodukt aufgelegt worden.

Um in die Fonds aufgenommen zu werden, müssen Unternehmen nachhaltig höhere Dividenden ausschütten, als der Gesamtmarkt und eine historisch anlegerfreundliche Dividendenpolitik vorweisen. Denn: Dividenden über dem Zinsniveau der Staatsanleihen sind zwar wunderbar, aber im Gegensatz zum Kupon eben nicht garantiert. (Karin Baue/DER STANDARD Printausgabe, 15.11.2004)

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