"Schlagwort reiche Kirche unangebracht"

25. Februar 2005, 10:29
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Ausnahme: Stifte und Klöster, sie zählen zu den Waldgroßgrundbesitzern

Kurt Morgenbesser ist Förster. Jetzt vor dem ersten Schnee muss er sich um Brennholz kümmern. Jene Bäume wie Edellaubhölzer, die nicht zum Verheizen geschlägert werden sollen, markiert er am Stamm. 1500 Hektar Wald bewirtschaftet Morgenbesser im Auftrag der Kirche.

Seit 1987 ist der Förster bei der Erzdiözese Wien angestellt. Viel Ertrag werfe der Wald aber nicht ab. "Mit den Einnahmen könnten wir für 14 Tage die Priester bezahlen", präzisiert Erich Ehn, Hausjurist der Erzdiözese und verantwortlich für deren Liegenschaften. Grundsätzlich dienen die Erträge aus der Forstwirtschaft dem Erhalt des Klerus.

Wie viel Grund die katholische Kirche in Österreich besitzt, darüber gibt es keine offiziellen Zahlen. Die Flächen befinden sich in Streubesitz, erklärt Ehn die Eigentümerstruktur. Diözesen und Bistümer besitzen jeweils eigenen Wald, Kirchen und Ortspfarren ihre Pfründe. "Junge Diözesen wie Eisenstadt, Innsbruck oder Feldkirch haben gar nichts."

118 Quadratmeter

Der zentral geführten Erzdiözese Wien und ihren 660 Pfarreien gehören 2000 Hektar Wald. Morgenbesser ist eigentlich nur für den Besitz der Diözese verantwortlich. Da aber nicht mehr jede Pfarre ihren Grund bewirtschaften kann, übernimmt der Förster einen Großteil. Dazu zählen auch die 118 Quadratmeter Wald der Pfarrkirche Payerbach.

Für die Steiermark hat die Diözese Graz-Seckau den kirchlichen Waldbestand zusammengetragen. Eine Fleißarbeit, die keine andere Diözese geleistet hat. Alle kirchlichen Rechtsträger zusammen verfügen in der Steiermark über 6700 Hektar Wald, was einem Anteil von 0,6 Prozent der Gesamtfläche entspreche. "Das Schlagwort reiche Kirche ist in diesem Sinne unangebracht", so Ehns Resümee. Mit einer Ausnahme: Stifte und Klöster.

Die Orden wirtschaften allerdings autonom und sind nur dem Papst weisungsgebunden. Nach den Bundesforsten verfügen sie in der Steiermark über den meisten Wald. Kirchlicher Großgrundbesitzer ist das Benediktinerstift Admont mit 17.000 Hektar Wald. Daraus schlagen die Ordensbrüder auch Kapital. Admont zählt mit seinen rund 1000 Mitarbeitern zu einem überregionalen Arbeitgeber. Zu den größten internationalen Unternehmen des Stiftes gehören die DANA-Türenindustrie oder die STIA-Holzindustrie.

Das Augustinerstift Klosterneuburg in Niederösterreich hat immerhin 8000 Hektar Wald. Die Forstreviere befinden sich im Wein-und Waldviertel, im Wienerwald, in den Kalk- und Zentralalpen. Schätzungen gehen davon aus, dass Orden, Klöster und Stifte in Österreich rund 112.000 Hektar Wald besitzen. Ehn hält dies für eine seriöse Größe. Hochgerechnet mit den Besitztümern der anderen kirchlichen Rechtsträger könnte die Kirche auf 230.000 Hektar Wald und landwirtschaftliche Nutzfläche in Österreich kommen. (Kerstin Scheller; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11.2004)

Wie viel Wald die katholische Kirche in Österreich besitzt, weiß nicht einmal sie selbst. Nur eines ist gewiss: Die Orden mit ihren Stiften und Klöstern sind die Großgrundbesitzer, allen voran Stift Admont.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Stifte und Klöster (im Bild das Stift Göttweig) besitzen große Waldflächen

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