Bahn gibt fixe Platzreservierung

1. Dezember 2004, 20:08
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Mit Umstellung auf den Winterfahrplan fällt die freie Platzwahl - Zuerst für Züge nach Italien, 2005 folgt Deutschland, bis 2007 der Rest

Wien - Die freie Platzwahl ist in ÖBB-Fernzügen ab 12. Dezember passé. Mit der Umstellung auf den neuen Winterfahrplan wird dem Fahrgast mit dem Kauf eines Tickets automatisch auch ein bestimmter Sitzplatz zugewiesen - und zwar ohne Aufpreis. Denn Platzreservierung ist künftig inkludiert - beim 29-Euro-Sparticket genauso wie im Schlafwagen von Wien nach Rom um 300 Euro.

Die Zeit, in der sich Zugreisende in überfüllten Waggons ihren Sitzplatz "erkämpfen" müssen, sollte damit vorbei sein, zumindest was die Fernverbindungen nach Italien betrifft. Auf diesen wird das bei Fluglinien bewährte System als erstes eingeführt. Deutschland folgt 2005, bis 2007 sollen alle Nachbarländer umgestellt sein.

Kein Chaos befürchtet

Dass mit dieser Umstellung, die für Onlinetickets und Vorverkaufskarte gleichermaßen gilt wie für unmittelbar vor Antritt der Fahrt gelöste Fahrscheine, auf den Bahnhöfen das große Chaos ausbricht, glaubt der für den Fernverkehr (FV) zuständige Personenverkehrsvorstand Stefan Wehinger nicht.

Wagen und Sitzplätze würden nummeriert, sodass der Fahrgast sein Gepäck nicht durch den ganzen Zug schleppen müsse, um seinen Sitzplatz zu finden. Das neue System ist der erste Schritt zur Totalreform des in eine eigene Aktiengesellschaft abgespaltenen ÖBB-Personenverkehrs. "Wir sind jetzt kein Eisenbahnbetrieb mehr, sondern ein Dienstleistungsbetrieb", sagt Wehinger, "Marktbereiche stehen im Vordergrund, es gilt das Bestellerprinzip".

Unübersichtliche Produktpalette wird ausgemistet

Heißt konkret: Die unübersichtliche Produktpalette wird ausgemistet, die komplizierte Tarifstruktur mit Ermäßigungen und diversen Zuschlägen vereinfacht, auf Pauschalpreise umgestellt. "Service gibt es dort, wo es der Kunde braucht, und das ist im Fernverkehr", so Wehinger. "Der Nahverkehr braucht es nicht."

Damit bei den Zugbegleitern Kapazität für das Servieren frei wird, sollen Nah- und Fernreisende künftig getrennt werden. Bis 2007, glaubt man bei der Bahn, könne man 110 Nahverkehrszüge auf "schaffnerlos" umstellen. Wehinger verweist dabei auf Tests in Niederösterreich, wo sich der unbegleitete Zug bewährt habe.

Wehingers Ziel sind neue Produkte und bessere Verbindungen nach Budapest, Prag und Maribor, aber auch München, Graz, Innsbruck und Villach. "Der Vier-Stunden-Radius ist unsere Hauptzielgruppe, da müssen wir besser werden, denn da lassen sich neue Kunden erschließen." (Luise Ungerboeck/DER STANDARD Printausgabe, 15.11.2004)

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    Stefan Wehinger ist seit September Personenverkehrsvorstand bei der ÖBB, davor war er oberster Fahrdienstleiter der Montafoner Bahn.

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