Von Frauenschutz-Apparaten und anderen Dingen

31. Juli 2006, 14:00
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Museum für Verhütung und Abtreibung bietet ersten virtuellen Einblick in Wissensbestände und Ausblick auf Objekte

"Das Herausschleudern des Samens sofort nach dem Akte ist in Ungarn und Österreich ... gebräuchlich. Die Frau richtet sich unmittelbar nach Beendigung des Aktes auf, spreizt die Beine und mit einer schlängelnden Bewegung des Rumpfes sucht dieselbe durch einen kräftigen Ruck den männlichen Samen wieder herauszuwerfen."
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Nach einer Präsentation in Form einer Wanderausstellung anlässlich des FIAPAC-Kongresses in Wien bietet das Verhütungsmuseum in Wien eine erste Online-Rundschau als Vorgeschmack zur baldigen Eröffnung.

Neben Standardwerken wie dem "Neuen Naturheilverfahren Lehr- und Nachschlagebuch der naturgemäßen Heilweise und Gesundheitspflege" von F.E. Bilz, aus dem einleitendes Zitat stammt und das mittlerweile seine 73. Auflage erfahren hat, und raren Veröffentlichungen, wie A. M. Mauriceaus "The Married Woman's Private Medical Companion" aus dem Jahr 1847 eine ist, finden sich auch zum Teil skurril anmutende Hilfsmittel zur Kontrazeption im Bestand des Museums.

Eigentümlich bis gefährlich

Das Latexkondom "Lily" für Frauen der "Shanghai Lily Life Rubber Product Ltd.", das von chinesischen Familienplanungsstellen abgegeben wird, ist ein derartiges Exponat. Selbst die Museums-ExpertInnen Krejsa und Fiala wissen nicht um die Handhabe: "Wir sind über die einzuhaltende Richtung noch unschlüssig. Als Scheidenbarriere-Methode ist es quasi ein Diaphragma, wofür auch die Tatsache spricht, dass es zusammen mit einer Creme angewandt wird. Keine unserer Bemühungen um weitere Informationen und weitere Exemplare ist bisher erfolgreich verlaufen." Um Hinweise wird also - schmunzelnd - gebeten.

Ein weniger mysteriöses denn für die Gesundheit der Frau gefährliches Ausstellungsstück ist der "Uterector", ein Knopfpessar samt Einführungsstab aus den USA des beginnenden 20. Jahrhunderts, das in der Annahme eingesetzt wurde, es würde das Aufsteigen von Spermien verhindern; was es zumeist nicht tat, dafür jedoch zu Infektionen mit bisweilen tödlichem Ausgang führte.

Einen verbreiteteren, nicht zuletzt weil ungefährlicheren, "Frauenschutz-Appart" gab es in der Ausführung mit Ballon und Kolben samt Pulverfüllung, bestehend aus verschiedenen spermizid-abtötenden Mitteln.

Hygienische Praktiken

Einen weiteren Schwerpunkt setzt das Museum, indem es auf die Praktiken der Körperhygiene/-gesundheit einen Blick wirft, zum Beispiel einen auf das Bidets. Diese Sitzbecken gehörten im Altertum schon zu Ausstattung eines wohlhabenderen Haushalts, galten aber in den vergangenen Jahrhunderten als verpöhnt, wohl wegen ihrer ursprünglichen Bedeutung für die alten Griechen - was heisst: eigentlich Griechinnen. In Eheverträgen wurde verdingt, dass der Ehefrau Vagina gespült zu sein hatte, vor und nach jedem Geschlechtsverkehr. In Zeiten vor fließend Wasser aus Leitungen wurden dafür so genannte "Mutterspritzen" verwendet.

Trotz dieser und vieler anderer interessanter Neuzugänge wird weiterhin nach Objekten und Leihgaben für das künftige Museum gesucht: Wenn Sie Filme, Plakate, Broschüren, Bücher, Dokumente, Statistiken; Hilfsmittel und Gerätschaften zur Verhütung, zu Schwangerschaftstests und zur Abtreibung bereitstellen wollen, schreiben Sie bitte an die links angeführte E-Mail-Adresse.

Kommendes

Neben detailierten Aufstellungen von schwangerschaftsverhütenden Maßnahmen durch die Geschichte hinweg wird auf der Homepage (wie auch im Museum) zudem auf zukünftig mögliche und/oder zu erwartende Methoden fokussiert werden. Spannende Perspektiven sind zu erwarten; dieStandard.at wird berichten. (red)

Link
Museum für Verhütung und Schwangerschafts- abbruch
Ausstellung -­ Sammlung -­ Archiv - Bibliothek

Mariahilfer Gürtel 37, 1150 Wien
E-Mail
+43 699 178 178 04 (Dr. Susanne Krejsa)
+43 699 159 731 90 (Dr. Christian Fiala)
  • Die Themenbereiche des Museums reichen von Scheidenspülungen bis hin zum Ausblick auf künftige Methoden der Verhütung.
    bild: verhütungsmuseum
    Die Themenbereiche des Museums reichen von Scheidenspülungen bis hin zum Ausblick auf künftige Methoden der Verhütung.
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