Heimischer Forst in der Zange der Erwärmung

25. Februar 2005, 10:29
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Ökologe Grabherr über die gestressten Fichten und Föhren und über Buchen die mehr Grade leichter wegstecken können

In Zeiten des Klimawandels komme Waldbenutzern wie Waldbesitzern "guter Rat derzeit teuer", betont Georg Grabherr vom Institut für Naturschutz und Ökologie der Universität Wien. Hänge doch das Gedeihen der heimischen Wälder, ihres Freizeitwerts und ihrer Erträge in den kommenden Jahrzehnten an Entscheidungen von heute: "Die Frage ist, ob und wodurch Baumsorten, die in unseren Breitengraden durch die tendenziell höheren Durchschnittstemperaturen in Bedrängnis geraten, ersetzt werden sollen."

Das Problem, so Grabherr, stelle sich besonders auf jenen zwanzig Prozent Gesamtwaldfläche, die monokulturell bepflanzt sind - und hier vor allem im "trockenen Osten" des Bundesgebiets. Dort habe der hitzige Extremsommer 2003 die Richtung gewiesen, in die das Klima sich entwickle. Die Fichten und Föhren hätten mit Wassermangel und zunehmenden Schädlingsbefall zu kämpfen.

Rasches Holz

Oft müssten diese Bäume vor der Zeit geschlägert werden - doch die Waldbesitzer pflanzten als Ersatz oftmals wieder Fichten und Föhren an. Wegen deren vergleichsweise raschen Wachstums: Nur zwanzig bis dreißig Jahre. Grabherr: "Die Forstinhaber wollen eben rasch wieder Holz zum Verkaufen haben."

Klüger wäre es stattdessen, Sorten zu wählen, die mehr Grade leichter wegstecken können. Buchen im Mühlviertel etwa oder Eichen im Weinviertel - auch wenn diese Bäume zum Wachsen länger brauchen. Um Waldbesitzern ohne zweites wirtschaftliches Standbein hier eine Perspektive zu bieten, sei die Idee der "Gründerpopulationen" entwickelt worden: In Randbereichen einer Region, etwa im Mühl- und Waldviertel, werden Eichen gepflanzt, deren Bestand sich in den kommenden Jahrzehnten auf natürlichem Weg ausweiten soll.

Hungriges Wild

Nicht die Notwendigkeit der Umforstung, sondern "das Wald-Wild-Problem" stellt sich laut Grabherr in den alpinen Regionen Österreichs. Dort, wo der Wald wichtige Schutzfunktionen innehat, komme dem Wildverbiss größere Wichtigkeit zu. Vor allem Tannen reagierten auf das Abnagen ihrer jungen Triebe äußerst sensibel.

Der Klimawandel indes zeitige im Bergwald andere Folgen als im Flachen: "Die Waldgrenze verschiebt sich nach oben." Die Folgen: Erosionsgefahren weiter unten und enger werdende Überlebensräume für hochalpine Pflanzen und Tiere. Etwa für das Alpenschneehuhn. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 13/14.11.2004)

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    Fichte die vom Borkenkäfer befallen ist

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