Gesundheit und Soziales: Renten reichen nicht aus

24. Mai 2005, 19:47
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In den USA sind Millionen ohne Krankenversorgung, auch die Renten wackeln. Staatliche Zuschüsse nehmen ab, und auch die Zahl der betrieblichen Pensionskassen verringert sich

In den USA reichen die staatlichen Rentenzuschüsse an keinem Ende. Und auch immer weniger US-Unternehmen verpflichten sich, ihren Mitarbeitern einen ruhigen Lebensabend zu garantieren. Die Zahl der betrieblichen Pensionskassen hat sich seit Mitte der 80er-Jahre von 112.000 auf 31.000 verringert.

Die amerikanischen Arbeiter beziehen mittlerweile über 60 Prozent ihres Alterseinkommens aus privaten Vorsorgemodellen, die in Aktien angelegt sind und keine feste Leistungszusage beinhalten. Nach dem Platzen der Internet-Spekulationsblase haben die meisten dieser Sparpläne kräftige Einbußen hinnehmen müssen. Weitere Schwächen traten durch den Zusammenbruch des Energiehändlers Enron und durch die Worldcom-Pleite zutage.

Ersparnisse in eigenen Aktien

Wie viele andere Firmen brachten die Skandalunternehmen ihre Mitarbeiter dazu, einen großen Teil ihrer Ersparnisse in eigenen Aktien anzulegen - so verloren die Angestellten bei der Pleite nicht nur ihren Job, sondern auch ihre Altersvorsorge. Für immer mehr Ältere wird der gesetzliche Zuschuss damit zur Haupteinkommensquelle für den Lebensunterhalt. Gedacht war die Sozialrente jedoch als Auffangnetz, um existenzielle Not zu vermeiden, nicht aber als auskömmliches Ruhegeld. Entsprechend gering ist die Ausschüttung. Amerikanische Sozialrentner erhalten im Schnitt 926 Dollar im Monat.

Weitere Einschnitte sind zu erwarten, da die US-Sozialversicherung immer größere Finanzierungslücken hat. Zudem wächst der Seniorenanteil rapide: 77 Mio. Babyboomer werden sich in den nächsten Jahren zurückziehen.

Steigende Gesundheitskosten

Und die müssen sich nicht nur um ihre Renten, sondern auch um ihre Krankenversorgung sorgen. Steigende Gesundheitskosten hängen wie ein Anker um den Hals der amerikanischen Wirtschaft. Die Ausgaben für das Gesundheitssystem steigen jedes Jahr um fast zehn Prozent und liegen inzwischen bei 5400 Dollar pro Person. Die steigenden Kosten bedeuten für viele Unternehmen, dass sie entweder niedrigere Gewinne in Kauf nehmen oder aber die Gesundheitsversorgung ihrer Mitarbeiter nicht mehr bezuschussen.

Die Verbraucher haben ihrerseits mit steigenden Zusatzkosten für Medikamente zu kämpfen, weil der Staat die Preise nicht reguliert: Eine Drei-Monats-Ration des Cholesterin-Senkers Lipidor kostet in Amerika 320 Dollar, fast doppelt so viel wie im benachbarten Kanada.

Kernstück Sozialreform

George W. Bush hat nun die Reform des Sozialsystems zu einem Kernstück seiner zweiten Amtsperiode erklärt. Sein Leitsatz, um die staatlichen Kassen zu entlasten: Nicht die Bürokraten, sondern die Bürger sollen über ihre Renten-und Krankenversicherung entscheiden. Sein Plan: Arbeitnehmer, die selbst für Alter und Gesundheit sparen wollen, können das dazu benötigte Geld steuerfrei in Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren anlegen.

Obwohl die meisten Medikamente in den USA hergestellt werden, ist Bush gegen billige Reimporte aus Ländern wie Kanada, wo die Arzneipreise reguliert sind. Sein Argument: Die USA müssen die Sicherheit der verkauften Präparate gewährleisten. Kritiker verweisen dagegen auf das Lobbying der Pharmaindustrie, die in den vergangenen fünf Jahren 67,5 Mio. Dollar für Parteispenden ausgegeben hat. Mehr als 60 Prozent davon gingen an Bushs Republikaner. (Beatrice Uerlings aus New York, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.11.2004)

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