Bundesbahnen gehen auf Kundenfang

1. Dezember 2004, 20:08
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Schnellere Züge und Kampfpreise gegen Fahrgastschwund

Die ÖBB wollen dem anhaltenden Fahrgastschwund im Fernverkehr nicht länger tatenlos zuschauen. In einem ersten Zug werden deshalb Fahrpläne verdichtet, Fahrzeiten verkürzt und Kampfpreise installiert – zumindest was die Verbindungen nach Italien anbelangt. So gibt es unter dem Decknamen "Allegro" ab 12. Dezember erstmals eine Tagesverbindung Wien–Venedig, deren Fahrzeit sieben Stunden unterschreitet. Auch nach Florenz, Mailand, Rom und Ancona werden mehr Tages-, Nacht- und Autoreisezüge fahren als bisher.

"Im Gegensatz zu den Billigfliegern gibt es bei den ÖBB aber nicht nur ein bis zwei Spartickets pro Zug, sondern zwischen zwölf und 50", kündigte der für den Fernverkehr zuständige Vorstand der neuen ÖBB-Personenverkehr AG, Stefan Wehinger, am Freitag nach der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens mit Trenitalia an. Die Preise sind je nach Wagenkategorie gestaffelt von 29 bis 129 Euro.

Höchste Eisenbahn Dass es für eine Offensive höchste Eisenbahn ist, zeigen die Zahlen: Im Deutschland-Verkehr schrumpften die Einnahmen um 20 Prozent, nach Italien um zwölf Prozent, wobei auf der Brennerstrecke gar 30 Prozent Cash verloren gingen. Insgesamt bringt es die Bahn auf einen Marktanteil von fünf Prozent, der große Rest der Reisenden fliegt oder fährt mit dem Auto, sagt der frühere Geschäftsführer der Montafoner Bahn.

Verstärkt wird auch der Vertrieb: Künftig vermarkten je ein Trenitalia- und ein ÖBB- Mitarbeiter eine oder mehrere Strecken. Analog will Wehinger mit der Strecke München–Wien und Verbindungen in die Schweiz verfahren. Der Internetverkauf soll grenzüberschreitend vereinheitlicht und vor allem vereinfacht werden.

Aktionen im Inland

Billiger gibt es die Bahn ab dem Fahrplanwechsel auch im Inland: Ab Dezember sind Aktionen geplant, etwa eine Shopping-Card für die Weihnachtssamstage um zwölf bis 15 Euro für die ganze Familie.

Ab 2006 sollte die Bahn slogangemäß wirken und die Fahrgastzahlen jährlich um zwei Prozent steigen. Im Rahmen des 208 Millionen Euro schweren Refurbishment-Programms werden die insgesamt 720 Reisezugwagen inklusive der heruntergekommenen 44 Speisewagen auf Vordermann gebracht. (Luise Ungerboeck aus Rom, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.11.2004)

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