Ende der Posse

8. Februar 2005, 16:07
posten

Walter Müller über das bühnenreife Provinzstück zur Estag-Affäre

Endlich werden die letzten Seiten in diesem wohl absonderlichsten Kapitel der steirischen Wirtschaftsgeschichte aufgeschlagen. Der "Estag-Skandal", der wie ein Fluch über dem Land liegt, soll nach dem Willen der Landes-ÖVP also ad acta gelegt werden.

Man will auf finale Klagen gegen ehemalige Estag-Manager, denen schlechte Unternehmensführung und Mauscheleien vorgeworfen und sogar Bilanzmanipulationen unterstellt wurden, verzichten. Klagen seien chancenlos, und "es muss endlich einmal Schluss sein", sagt Parteigeschäftsführer Andreas Schnider. Gut so. Wurde auch Zeit.

Seit mehr als eineinhalb Jahren schleppt sich diese Affäre um den Konzern Energie Steiermark Holding AG (Estag) durchs Land. Das Unternehmen wurde wie kein anderes in der Republik geprüft, vom Keller bis zum Dach. Und das mehrmals. Strafrechtlich Relevantes kam nie zutage.

Die tatsächliche "Skandal"-Faktenlage korrespondierte kaum mit den medialen Erregungsgraden. Das bühnenreife Provinzstück, in dem die Parteien, lokale Medien, Männerbünde und konservativ-katholische Kreise um die Vorherrschaft im Lande rangen, fügten diesem jedoch einen schweren Imageschaden zu.

Was aber blieb von den Vorwürfen? Wenig. Die Landtagsparteien sind nicht einmal in der Lage, aus dem Skandalmaterial einen einhelligen Sucus zu ziehen. Sie verirren sich stattdessen auf rechtsstaatlich bedenklichem Terrain. Der Grünen-Vorsitzende des Estag-Untersuchungsausschusses, Peter Hagenauer, und mit ihm die SPÖ und FPÖ verlangten zuletzt zumindest "exemplarische" Klagen gegen ehemalige Manager. Gerichtsverfahren zur "Abschreckung" sozusagen.

Es ist wirklich Zeit, dass das Estag-Skandalbuch endlich zugeklappt wird, bevor neue Kapitel geschrieben werden. (DER STANDARD Printausgabe, 12.11.2004)

Share if you care.