Im Dutzend sportlicher

13. Mai 2005, 12:03
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Hier muss man nichts können und darf alles mitmachen: reiten, segeln, golfen und quadbiken im Imperial Manar in Hammamet

Am entfernten Strand laufen schon vereinzelte Bettflüchtige. Die Poolanlagen werden noch gesäubert, während sich nebenan ein älteres Ehepaar bereits das erste Tennismatch liefert. Von der Restaurantterrasse ist der leise Frühstückslärm zu hören. Stehen, ins Blaue schauen, aus der Entfernung ein Eisenbahngeräusch, nur das große Hotel, in dem man sich befindet, arbeitet auf leisen Sohlen.

Man grapscht sich die erste Nuss (fünf Sorten liegen am Tisch), dazu eine Trockenfrucht und folgt der wie von Feenhand gestreuten Spur frischer Blütenblätter (echt!) zurück ins Bett, über dem die Augen von Marilyn fordernd blitzen. Im Paradies angekommen. Paradies angenommen! Hier gibt es einiges zu tun.

Das Imperial Manar Hotel in Hammamet, wenige Kilometer südlich von Tunis ist eine jener an den nordafrikanischen Küsten angelegten Idyllen für Urlauber aus ganz Europa, die es pauschal gemütlich haben wollen. Die schlanken Kellner sprechen praktisch jede Sprache. Grazil, aber stumm komplettieren sie das Frühstücksbuffet. Und sollte jemand Probleme mit der Orangenpresse haben, so wittern sie das schon von Weitem.

Wer hier in den Tag geht, darf mit Nachsicht rechnen. Und weil das Privileg des Nichtkönnenmüssens hochgehalten wird, lässt man im Angesicht der hier angebotenen Aktivitäten und Sportmöglichkeiten die gepflegten Hemmungen vorm Unbekannten fahren und macht bei allem mit, was dieser künstliche Garten Eden offenbart.

Wer nicht reiten kann, kann es hier doch! So ein ausgemergelt erscheinendes Berberpferd hat, wenn auch sonst nicht viel, so doch Geduld in rauen Mengen. Es glotzt einen einmal an, bevor man sich mit Frühstücksbäuchlein in den Sattel schwingt. Und wer diesen vormittäglichen Ritt in Gruppe gebucht hat, kann vorweg zumindest auf den Gleichschritt der Genossen hoffen. Bloß der tunesische Reitführer (er spricht auch Wienerisch) macht nach einem Stündchen Reitgang durch den Zitronenhain dem gelangweilten Pferd plötzlich Beine: "Hotta, hotta!" Und der graue Gaul tritt daraufhin den Heimtrab an. Und man trabt sitzend mit. Geht doch!

Und weil die Leichtigkeit dieser Eroberung einem noch in den Knochen kribbelt, soll's am Nachmittag gleich zum Quadfahren gehen.

Quad? Das sind (vierrädrige) Motorräder mit breiten Reifen, mit denen man möglichst schnell über Dünenwege fährt bzw. möglichst weit über Hügel hüpft. Die weiße Hose sollte man hier zu Hause lassen. Am Serviceschalter meldet man sich an, ein Hoteltaxi bringt einen hin. Acht dottergelbe Exemplare (750 ccm) stehen bereit. Wer Profi ist, sollte sich dem risikolosen Gruppentempo nicht aussetzen; nur Amateuren gereicht die Fahrt durch die Steppenlandschaft - Kulisse sämtlicher Bibelverfilmungen - zum windigen Spaß.

Wem die Sombrerohüte bei der Anmeldung am Serviceschalter nicht ins Bewusstsein gedrungen sind, dem wird erst jetzt, bei der Rückkunft im Hotel, klar, hier braut sich etwas Lateinamerikanisches zusammen. Clubabend! Rein in die Wanne, auch ihr - wieder frisch gestreuten Blüten - herein ins Wasser! So hätte es bestimmt auch Marilyn gemacht.

Nach einem bekömmlichen Mahl im hauseigenen Fischrestaurant "La Brise" (eigentlich wäre das brasilianische "La Careta" noch passender gewesen) folgt man zaghaft den aus entfernten Foren hörbaren Rhythmen. Dort bezirzen mit wenigen Fellfäden am nackten Körper zum Indianer-Look verzwirnte Männer und Frauen das schon temperierte Publikum (wahrscheinlich eine tunesische Off-Theatergruppe). Der Wodka ist gratis, weil pauschal, dafür aber leider gewässert. Und auch sonst gibt es einige Gründe für die frühe Nachtruhe: zum Beispiel die Golfstunden am folgenden Tag.

Der 15 Kilometer vom Hotel entfernt gelegene Yasmine-Golfplatz ist das Highlight des Magic-Life-Clubs. Für Insider: Es handelt sich um einen Par 72, 18-Loch-Championship Golfplatz mit einer Länge von 6115 Metern. Hier spielt halb Golfeuropa in den Wintermonaten.

Wer die Platzreife noch nicht hat, kann sie hier erwerben, aber das kostet Nerven und beim Abschlagüben ein bisschen Haut. Die Ausrüstung wird zur Verfügung gestellt. Und weil das Quadfahren vom Vortag so einfach ging, gerät die Fahrt übers Green umso wilder. Die Sonne blitzt und nach dem Essen - endlich! - geht's ins Wasser.

Ganz Mutige pflücken sich dafür unterm Bambusdach am Clubstrand einen schicken Neoprenanzug (der Wind ist ganz schön schneidig) und hängen sich mit Wasserskiern ans Motorboot. So zieht man mit Durchhaltevermögen die schönsten verwackelten Schaumspuren. Eigentlich nicht so schwer. Die mit weniger "Rückgrat" lassen sich vom Katamaran-Animateur ins Boot holen. Hat der nicht am Vorabend noch bis tief in die Nacht hinein einem Indianer geglichen? Man fragt nicht. Der Mann ist Profisportler und gerade auf dem besten Weg, einen zum morgigen Windsurfen zu überreden. (Der Standard/rondo/12/11/2004)

Von Margarete Affenzeller

Info:
Tunesisches Fremdenverkehrsamt, Opernring 1/ R/109, Tel.: 01 / 585 34 80 tunesien-info.at
Magic Life Imperial Manar Hotel:
magiclife.com
  • Artikelbild
    www.tunisietourisme.com.tn
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