"Ein Dämpfer, aber kein Drama"

2. Dezember 2004, 16:20
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Deutsche Konjunktur lahmt - Wirtschaftsminister Clement versucht aber zu kalmieren

Wovor die Wirtschaftsforscher schon gewarnt haben, ist jetzt amtlich bestätigt worden. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vom zweiten auf das dritte Quartal saison-, kalender- und inflationsbereinigt nur noch um 0,1 Prozentpunkte. Der Wert ist der schlechteste seit einem Jahr, als die Bundesrepublik haarscharf einer Rezession entging.

Damit hat sich das Wirtschaftswachstum zu Beginn der zweiten Jahreshälfte überraschend deutlich abgeschwächt. Die Konjunkturerholung hat an Schwung verloren. In den Quartalen davor lag der Wert bei 0,4 Prozentpunkten. Insgesamt betrug der BIP-Anstieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 1,3 Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sieht in der Entwicklung "einen Dämpfer, aber kein Drama".

Clement beruhigt

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement räumte eine Abschwächung der Konjunkturerholung ein, erwartet aber eine Aufwärtsbewegung in den letzten drei Monaten des Jahres. Er sprach von "ersten Lichtblicken" bei der Binnennachfrage, die nach wie vor die Achillesferse der Konjunktur darstelle.

Der hohe Ölpreis habe den Welthandel insgesamt geschwächt, was der deutsche Export zu spüren bekommen habe. Doch seien die Ausfuhren immer noch kräftig. Wirtschaftsforscher nennen auch den starken Euro als Grund für die Abschwächung.

Clement will aber an seiner Wachstumsprognose von 1,8 Prozent für heuer festhalten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hält anders als die anderen Wirtschaftsforschungsinstitute weiterhin ein Wachstum von sogar zwei Prozent für möglich. (DER STANDARD Printausgabe, 12.11.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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